Viele, viele Kinder und Jugendliche haben Angst, an Corona zu erkranken. Muss das sein? Wie sind die Nebenwirkungen? Wer sollte sich impfen lassen? Und woran sterben Kinder und Jugendliche sonst und wie oft im Vergleich?

Für unter 12-jährige Kinder gibt es noch keinen CoVid-2 Impfstoff. Doch “Comirnaty” ist von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) nun auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren als Impfstoff zugelassen. Dieser wurde von der Firma BioNTech/Pfizer entwickelt. Doch: die “Ständige Impfkommission” (STIKO) rät aktuell (Juli 2021) davon ab, alle impfen zu lassen, stattdessen nur Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen. Welche Nebenwirkungen und welche Vorerkrankungen das sind, steht Unten. Zunächst geht es hier um Zahlen und Fakten:

Kurz: An einer Corona-Infektion starben bisher 4 Kinder und Jugendliche in Deutschland, vergleichsweise zum Beispiel 168 an Krebs. Mehr Zahlen folgen.


Wenn sich Kinder und Jugendliche OHNE Vorerkrankungen infizieren, ist der COVID-19-Krankheitsverlauf meist mild oder sogar asymptomatisch. Behandlungen im Krankenhaus sind selten nötig und Todesfälle treten nur vereinzelt auf. Warum zeigt eine Studie der Charité.

In einem akutellen Infoblatt des RKI (Download) für Kinder- und Jugendärzt:innen und Eltern steht dazu:

Von den rund 13,5 Millionen (13.500.000) Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren in Deutschland waren etwa 1200 mit einer SARSCoV2Infektion im Krankenhaus (< 0,01% also 1 von 100 der Erkrankten) und mussten dort behandelt werden. 4 verstarben an ihrer Infektion (< 0.001% der Erkrankten) – nicht mit. An Corona bedeutet, sie starben wirklich an dieser Infektion. Weitere 13 Ki/Ju starben an ihrer Vorerkrankung und hatten laut Labortest auch eine Corona-Infektion. (Stand: 4/2021)

In einer Stellungnahme der DGPI (Download) stehen u.a. solche Vergleiche:

Darin wurden zum Beispiel die Grippefälle 2018/19 zum Vergleich herangezogen, um Familien ein Stück weit die Angst zu nehmen. Damals erkrankten 7.461 Kinder unter 14 Jahren (15-18jährige nicht eingerechnet) mit Influenza so stark, dass sie ins Krankenhaus mussten, 9 davon verstarben. DGPI ist die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.

Ein erweiterter Risikovergleich in Zahlen:

  • laut RKI starben 4 Ki/Ju an CoVid19 (von 3/2020 bis 4/2021)
  • 9 an Influenza/Grippe in 2018/19 (das war ein schlimmer Grippewinter)
  • nach Angaben der DLRG lag die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen im Jahr 2020 bei 49 (in 2019 bei 58)

    • hinzukommen Ertrinkungsunfälle in Badewannen und Schwimmhallen. Insgesamt ertranken z.B. allein 18 der 1-4 Jährigen.
  • 661 (0 bis 19 jährige) starben 2019 in Deutschland an tödlichen Verletzungen (Quelle: Statista), davon:
    • 44 Kinder und Jugendliche infolge eine tätlichen Angriffs (also durch Gewalt durch andere Personen)
    • 185 starben an Suizid
    • 400 an Unfällen (z.B. Autounfälle, sowie durch Stürze bei Sport und Spiel (oft durch Kopfverletzungen), sowie Ersticken/Strangulation, Rauch, Feuer und Flammen, Gift)
  • 168 Kinder und Jugendliche bis unter 20 Jahren starben 2019 an Krebs (Quelle: Statista)
  • in 2020 sind 2.373 Kinder im 1. Lebensjahr gestorben (Quelle: Destatis)

Fakt ist auch: Im Jahr 2019 wurden 194.042 Kinder bis 17 Jahren wegen einer Verletzung im Krankenhaus behandelt; 14 500 wegen Alkoholmissbrauch/-vergiftung (Destatis). Wegen Corona in 2020: 1.200. Siehe dazu: Link zum Bundesgesundheitsministerium sowie DESTATIS-Statistik


Aufgabe: Wie hoch ist nun das Risiko im Vergleich? Ist es nach oben genannten Zahlen wahrscheinlicher, durch Ertrinken oder eine tödliche Verletzung oder an Corona zu sterben? Müssen Kinder und Jugendliche wirklich so extreme Angst haben?



Wer sollte sich nun impfen lassen und wer nicht?

Impfungen haben auch unerwünschte Nebenwirkungen und können krank machen. Deshalb muss gut abgewogen werden, was schlimmer ist.

  • Covid19-Symptome bei Kindern und Jugendlichen treten eher selten oder in geringer Form auf. Mit Beeinträchtigen des Geschmackssinns, Fieber, Kopfschmerzen und Husten ist zu rechnen, treten oft aber auch gar nicht auf! Also völlig symptomfrei. Insbesondere Risikogruppen (Vorerkrankte, über 80jährige) können an Covid19 bzw. an einer Lungenentzündung dadurch aber auch sterben. (Quelle: RKI)
  • Die Long-Covid-Folgen sind zum Beispiel Erschöpfungszustände über längere Zeit (z.B. ein paar Wochen), Atembeschwerden, Konzentrations- und Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Herzrhythmus-Störungen und PIMS. In der Altersgruppe 12 – 17 Jahre hatten schätzungsweise 0,04 % der SARS-CoV-2-Infektionen ein PIMS zur Folge, welche aber gut heilbar ist. (Quelle: RKI)
  • Impffolgen sind zum Beispiel Erschöpfungszustände / Schwäche, Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden über einige Tage sowie Herzmuskel-Entzündungen. (Quelle: RKI)

(Lockdown-Folgen bei Kindern und Jugendlichen sind vergleichsweise diverse seelische und körperliche Folgen wie Depressionen und Rücken-Erkrankungen, die ggf. ein Leben lang bleiben.)


Die Risiko-Nutzen-Analyse, also die Einschätzung dessen, was besser oder schlimmer ist, nimmt die STIKO vor.

STIKO ist die Abkürzung für “Ständige Impfkomission” und ist eine 18-köpfige Expertengruppe, die beim RKI angesiedelt ist. Sie gilt als unabhängig und empfiehlt, die COVID-19-Impfung mit Comirnaty derzeit NICHT für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 – 17 Jahren, sondern

nur für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko, insbesondere denen mit Vorerkrankungen.


Vorerkrankungen (Quelle: RKI) sind zum Beispiel diese:

  • Adipositas / krankhaftes Übergewicht (> 97 Perzentile des BMI)
  • angeborene oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression
  • angeborene zyanotische Herzfehler (O2-Ruhesättigung < 80%)
  • schwere Herzinsuffizienz
  • schwere pulmonale Hypertonie
  • chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion (ausgenommen ist ein gut eingestelltes Asthma bronchiale)
  • chronische Niereninsuffizienz
  • chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen
  • maligne Tumorerkrankungen
  • Trisomie 21
  • syndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung
  • Diabetes mellitus (nicht gut eingestellt)

Du möchtest Dich impfen lassen?

Spreche am besten erst einmal mit deinen/r Haus- oder Kinderarzt/-ärztin darüber! Ab August gibt es übrigens an den Grund- & Gemeinschafts-Schulen sowie Gymnasien in Schleswig-Holstein Impfangebote. Berufsschulen können auf Wunsch selbst Kooperationen mit Ärzte u/o Impfanbieter dazu eingehen.

Die STIKO und das RKI sagen derzeit (Stand 7/2021):

  • Erst einmal sollen möglichst alle erwachsenen Personen um das Kind herum – die Eltern, Großeltern, Betreuer:innen, Lehrer:innen und Erzieher:innen – sich impfen lassen.
  • Die Sicherheit der Kinder steht für die STIKO an oberster Stelle, weshalb derzeit nach einer strengen Risiko-Nutzen-Abwä
    gung GEGEN eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren entschieden wurde.

1 Kommentar
  1. Martina
    Martina sagte:

    Dies gilt genauso für die Masern, für die ja eine Impfpflicht besteht. An diesen stirbt nur alle 2 Jahre mal ein Mensch in Deutschland, was keine Impfpflicht rechtfertigt. Vom Blitz werden übrigens jedes Jahr durchschnittlich 4 Menschen getroffen. Es stellt sich die Frage, in wieweit die Suizid-Rate mit den Lockdown-Maßnahmen zugenommen hat.

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