Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Hierauf weist der Deutsche Kinderschutzbund jedes Jahr am 30.04. hin. Gewaltfrei bedeutet: Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. Wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schließungen sind 2020 die häuslichen Gewalttaten aber massiv gestiegen – überwiegend gegenüber Frauen in Partnerschaften und Kindern in Familien.

Für Familien mit Kindern sind die Einschränkungen durch die Corona-Schließungen besonders einengend: Krippen, Kita, Schulen & Ganztagsangebote sind geschlossen; Spielplätze, Sportvereine, Jugendtreffs, Gastronomie; alle Freizeitangebote vom Malkurs bis zum Freizeitpark: nichts ist geöffnet oder findet statt. Familien sitzen seit vielen Wochen in ihren eigenen 4 Wänden fest und finden Abwechslung vielleicht mal beim Spaziergang im Grünen – in Wald und Flur. Selbst Parks sind abgesperrt und vielerorts Versammlungen polizeilich geahndet.

In den eigenen 4 Wänden arbeiten die Eltern jetzt im Homeoffice, parallel müssen Kleinkinder betreut werden, und Schüler vermeintlich eigenständig ihren Schulaufgaben erledigen.

Viele sind gestreßt und genervt deswegen. Außerdem haben Eltern finanzielle Sorgen, manche sind in Kurzarbeit und können ggf. ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen. Vielleicht verlieren sie ihr Haus, ihr Heim deswegen? Viele haben ihre Immobilien “auf Kante” finanziert. Und die Kinder und Jugendlichen sind durch das “Eingesperrtsein” unausgeglichen – körperlich und emotional.

Das Konfliktpotential ist entsprechend groß!

Enge, Unausgeglichenheit, Stress, Existenzangst – Diskussionen geraten immer öfter aus dem Ruder und es kommt zu Handgreiflichkeiten.

Auch Birgitt Zabel, erste Vorsitzende des Kinderschutzbundes Stormarn, schrieb in ihrer Pressemitteilung: „Es sollte die höchste Priorität der Politik sein, die Situation für Eltern und Kinder so schnell wie möglich zu entspannen, sobald dies angezeigt ist. Das heißt, Kinder sollten unter Berücksichtigung der gegebenen Corona-Schutzmaßnahmen möglichst bald wieder Kita oder Schule besuchen dürfen.“

Der Kinderschutzbund berichtet auf seiner Website über mögliche Hilfen:

  • Im 1. Teil geht es Stressbewältigungsstrategien
  • im 2. Teil um Ansprechpartner*innen für Eltern und Kinder in Konflikt- und Krisensituationen

Im 1.Teil wird empfohlen, Perfektionismus abzulegen, Gelassenheit zu gewinnen und vorzuleben; um bedingungslose Wertschätzung, authentische Familienregeln/ Grenzen setzen; Rituale und Entspannungstechniken – aber ist das in einer Krisensituation mit Existenzängsten realisierbar? In welchem Raum soll es Entspannung geben, wenn die Wohnung viel zu klein ist und alle ständig zuhause sind?

Die Adressen und Rufnummern aus dem 2. Teil stehen hier:

1. Örtliches Jugendamt

In Konflikt- und Krisensituationen können sich Kinder und Jugendliche sowie Familien an die örtlichen Jugendämter wenden. Die Telefonnummer des Jugendamtes vor Ort finden Kinder, Jugendliche und Familien etwa über das Familienportale des Bundesfamilienministeriums: https://familienportal.de/action/familienportal/125008/action/suche


2. Schnelle Hilfe und Unterstützung am Telefon

Gleichzeitig steht allen Kindern und Jugendlichen die “Nummer gegen Kummer” zur Verfügung. Es handelt sich hierbei um ein bewährtes Angebot, in dem sich Kinder und Jugendliche anonym zu ihrer Situation beraten lassen können. Eltern bekommen Hilfe und Unterstützung über das Elterntelefon.

Die Nummer gegen Kummer berät bundesweit, kostenfrei und anonym über Telefon, Email und Chatfunktion von Montags – Samstags: 14:00 Uhr – 20:00 Uhr:

Telefon: 11 6 111

Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter folgender Rufnummer zu erreichen, Montag – Freitag: 09:00 Uhr – 11:00 Uhr und Dienstag – Donnerstag: 17:00 Uhr – 19:00 Uhr:

Telefon: 0800 111 0 550

Website dazu: www.NummerGegenKummer.de


Auch auf das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch möchten wir in diesem Zusammenhang hinweisen:

Telefon: 0800-22 55 53

https://beauftragter-missbrauch.de/hilfe/hilfetelefon


3. Beratungsstellen vor Ort und Online

Darüber hinaus gibt es Kinder- und Jugend- sowie Familienberatungsstellen, die aktuell auch telefonisch erreichbar sind. Auf den Seiten der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (bke) steht eine Beratungsstellensuche sowie eine Online-Elternberatung und eine Online-Jugendberatung zur Verfügung: https://www.bke.de/?SID=052-6B2-170-98A


Für Informationen, Hilfe und Unterstützung können Kinder, Jugendliche und Familien auch den Kinderschutzbund vor Ort kontaktieren: https://www.dksb.de/de/dksb-vor-ort/


“Bringen solche Hilfe-Angebote überhaupt etwas? Wenn man geschlagen wird, denke ich, dass man viel zu viel Angst hat, um sich da zu melden!” meinte ein Jugendlicher zur erKant-Redaktion.


Hintergrund: Entstehung des Tages der gewaltfreien Erziehung

Der Tag der gewaltfreien Erziehung geht auf die internationale Organisation zur Beendigung körperlicher Gewalt gegen Kinder, EPOCH-worldwide (End Physical Punishment Of Children) zurück. Deren Ländervertretung in den USA rief erstmals am 30. April 1998 zum “International No Hitting Day for Children” auf. Diese Idee wurde durch diverse andere internationale Organisationen, wie ISPCAN (International Society for the Prevention of Child Abuse and Neglect), weiterverbreitet. Der Tag der gewaltfreien Erziehung wird mittlerweile in vielen Ländern gefeiert, hauptsächlich in angloamerikanischen Ländern wie England und Kanada, aber auch in der Schweiz.

0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.