Ausbildung & Arbeit bei der Bundespolizei See

Du suchst einen spannenden Ausbildungs- oder Studienplatz? Unsere Redaktion war Anfang August mit der Bundespolizei See auf Streife, siehe Reportage dazu. In diesem zweiten Beitrag stellen wir entsprechende Berufe & Aufgaben sowie die Bundespolizei See vor – dazu haben wir Interviews mit Besatzungs-Mitgliedern geführt (auf dem Foto oben: Roland, ein Seemann). Wer sich für eine Ausbildung ab Sommer 2023 bewerben möchte, muss es jetzt tun!

Aufgaben und Tätigkeiten drehen sich bei der Streife auf dem Meer um Seeraum-Überwachung, grenzpolizeiliche Aufgaben, zum Beispiel der Verhinderung von unerlaubten Reisen durch die Ostsee, Umweltschutz (z.B. vor auslaufendem Öl), Schiff- und Personenkontrollen, Hilfeleistungen, Technik- und Wartungsarbeiten an Board, Notfall-Übungen und natürlich die Versorgung der Besatzung (hier macht das Koch Harald).


Ausbildungs- und Einstiegs-Möglichkeiten bei der Bundespolizei See

Anders als bei der normalen Polizei-Ausbildung, ist bei der Bundespolizei See seit 2022 ein Direkt- bzw. Sondereinstieg bereits in der Ausbildung möglich! Schüler:innen können eine Berufsausbildung oder Studium machen.

Bewerber mit sehr gutem mittlerem Schulabschluss können sich für den mittleren, und (Fach-) Abiturienten für den gehobenen Dienst bewerben. Die Ausbildung für den mittleren Dienst dauert 2,5 Jahre, danach ist man Polizeivollzugsbeamter/in. Für den gehobenen Dienst kann ein Studium mit Bachelor- und/oder Diplom-Abschluss (zum Dipl. Verwaltungswirt) an der Fachhochschule gemacht werden.

Bewerbungen sind bis Ende August 2022 für Ausbildungsbeginn 1.9.2023 möglich – das direkt mit der Zusage / Garantie, dass man im Nachgang zur Bundespolizei See kommt. Ansonsten ist unklar, bei welcher Direktion oder wo die Ausbildung stattfindet. Beispielsweise am Flughafen-, bei der Grenz- oder Bahnpolizei, gegebenenfalls auch bei der Luftsicherheit oder so.

Mehr Infos dazu im Web unter: https://www.komm-zur-bundespolizei.de/kommanbord


Grundsätzlich sind Alle an Bord ausgebildete Polizisten oder Seeleute, welche in der Bewerbungsphase zunächst ein spezielles Eignungs-Auswahl-Verfahren, kurz EAV, durchlaufen. Das EVA besteht aus einer Reihe von physischen und psychischen Tests und dauert in der Regel fünf Tage. Die Nachwuchskräfte, die aufgenommen werden, erhalten eine Weiterbildung, welche sie dazu befähigt, Dienst auf See zu machen.

Verdienst-Möglichkeiten & Funktionen

Bundespolizisten verdienen in der Berufsausbildung mehr als 1.200 € netto (also ausgezahlt) und später bis zu 5.468 € netto (Stand: 12/2021 lt. Quelle) – je nach Erfahrungsstufe, Weiterbildung, Spezialisierung und Verantwortungen. Bei Auslandseinsätzen kommen Tagespauschalen hinzu!

Nach der Ausbildung zum mittleren Dienst kann auch nachträglich ein Aufstieg in den gehobenen Dienst erfolgen. Zudem ist auch ein Quereinstieg möglich, zum Beispiel für Seeleute. Diese machen bei der Bundespolizei eine Aus- sowie Anpassungsausbildung und können so zum Bundespolizisten auf See werden.

Grundsätzlich kann man als Bundespolizist vieles werden: Kapitän, Hundeführer, Pilot, Sonderwagenführer, Einsatzkraft in einer technischen Hundertschaft oder einer Reiterstaffel, etc.


Für Euch interviewt: Besatzungsmitglieder, ihre Tätigkeiten und Ausbildungswege

Kommandant Bernd Graumann auf der Brücke

Der Kommandant ist der Schiffsführer und damit der “Hausherr”, welcher über alles bestimmt und immer im Dienst ist – er ist „wachfrei“. Das heißt, dass seine Dienstzeiten nicht festgelegt sind, sondern sich am Bedarf orientieren. Dafür muss er durchgehend (24/7) erreichbar sein. “Egal ob nachts, morgens oder unter der Dusche”, wie Herr Graumann es formulierte.

Grundsätzlich hat er eine Vielzahl nautischer, technischer und kaufmännischer Aufgaben, doch die Hauptaufgabe ist: Verantwortung für das Schiff und die Besatzung tragen! Er muss für die Sicherheit an Board sorgen, Entscheidungen treffen, Einsätze leiten, Personal managen sowie alles auf dem Schiff planen und organisieren. Dafür hat er natürlich eine gehobene Dienstlaufbahn eingeschlagen, diverse Fortbildungen gemacht und vorher sehr viel Berufserfahrung gesammelt.

 


Techniker Felix, Bpol See

Mit dem Techniker Felix, 34 j, haben wir uns länger unterhalten. Er ist auf Rügen aufgewachsen und hat seine Ausbildung in Lübeck gemacht: ein 3j. Studium an der Fachhochschule des Bundes. Er ist jetzt Diplom-Verwaltungswirt und Polizeivollzugsbeamter.

Danach war er zwei Jahre in München am Flughafen und drei am Bahnhof – das bahnpolizeiliche Arbeiten dort hat ihm am meisten Spaß gemacht. Grund, wie erzählte: “Du arbeitest dort sehr selbständig, anders als wenn Du Kontrollarbeiten wie am Flughafen machen musst. Spannend ist es durch vielzählige Aufgaben auch: Flüchtlinge kommen an und werden betreut, Kontrollen werden durchgeführt, Events und (Fußball-) Fans begleitet, Hilfsbedürftige unterstützt, etc.” Auf die Idee, überhaupt Polizist zu werden, kam er, da eine Tante von ihm beim Beschaffungsamt der Polizei in NRW gewesen ist. Durch sie hatte er Kenntnisse über die vielfältigen Tätigkeiten bei der Bundespolizei.

Jetzt, bei der Bundespolizei See, ist Felix Techniker.

Zur See wollte er, weil das seine Heimat ist: Er ist an der Ostseeküste aufgewachsen. Seemanns-Themen klangen auch interessant und sich hier weiterbilden zu können, fand er gut. Er sagte: „Ich habe mich für Technik interessiert, bin Motorradfahrer und habe deshalb den Techniker-Werdegang für Bundespolizisten auf See eingeschlagen. Bei meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Hydraulik, Abwasser, Elektronik, Mechatronik, Sanitär, Klima- und Lüftungstechnik, denn: ein Schiff ist wie eine kleine Stadt!“ Sein Job ist abwechslungsreich.


Bpol See – Nautiker Henry macht Notizen im Logbuch

Nautiker Henry, 52j, war beim BGS ab 1990 Polizist, vorher war er bei der Volksmarine der DDR. Seit Anfang an wollte er auf See und ging deshalb nach Warnemünde. Aufgewachsen ist Henry in Magdeburg, ein Verwandter war bei der Marine und hatte ihn auf den Weg gebracht. Angefangen im mittleren Dienst ist Henry nun seit 4 Jahren im gehobenen Dienst.  Spaß hat er an seiner Arbeit auf See bis heute!

Er ist Nautiker und fungiert als Sacharbeiter Nautik/Kommunikation und könnte irgendwann auch Wachhabender werden, sollte eine Stelle frei werden. Seine Aufgaben sind: Brückendienst / Seewache, Beratung der Schiffsführung, Nachweisführung, den Seeverkehr beobachten, die Wachhabenden unterstützen. Und: sollte ein Hubschrauber landen, dann ist Henry der „Flight Deck Officer“ (Flugeinweiser).


See- und Bootsmänner sind viel an der frischen Luft

von Links: Bootsmann Dirk, Seemänner Roland und Christoph sowie Pressesprecher Maik

von Links: Bootsmann Dirk, Seemänner Roland und Christoph sowie Pressesprecher Maik

Roland, 27j und Christoph, 38j sind Seemänner. Die Beiden sind erst seit April 2022 an Bord der BP 81 Potsdam. Roland wollte seine Frau mit den Kindern unterstützen. Er war erst als Techniker tätig, wechselte aber zur Seemannschaft weil er lieber an der frischen Luft arbeitet, als unter Deck in den Maschinenräumen. Christoph wollte mehr zuhause arbeiten, er wohnt in Rostock, hat aber diverse Auslandseinsätze hinter sich, wovon er später am Abend noch viel mehr erzählte!

Maik, 49j, ist wie Torsten Tamm in der Stabsstelle für Öffentlichkeitsarbeit in Bad Bramstedt tätig. Früher war er selbständiger Messebau-Unternehmer sowie Redakteur in der Hörfunk- und TV-Branche. Im letzten Moment (kurz vor seinem 31. Geburtstag) schloss er sein Studium zum Bundespolizisten ab. Heutzutage betreut er unter anderem den Sozial-Media-Kanal der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt @bpol_kueste auf Twitter.


Für den Polizeidienst auf See entschieden sich einige der Besatzung auch wegen des regelmäßigen Wechsels von Streifefahrten auf See über 6 Tage und dann infolge 6 Tage zuhause sein – Fortbildungen oder Aufgaben an Land stehen dort zwar auch, aber: einige finden, dass sie dadurch eine bessere Frei- und Familienzeit als im normalen Polizeidienst an Land haben.


Die Bundespolizei hat 11 Direktionen, Bad Bramstedt ist eine davon und hat als Alleinstellungsmerkmal eine maritime Komponente.

Es gibt drei Bundespolizei-Inspektionen See: je eine in Neustadt (Holstein), Rostock-Warnemünde und Cuxhaven. In Neustadt befindet sich auch das Maritime Schulungs- und Trainingszentrum der Bundespolizei See. Drei 86 Meter-Schiffe der Potsdam-Klasse gibt es; zwei sind in der Regel in der Nordsee unterwegs, eins in der Ostsee. Unser Schiff war die BP 81 Potsdam (BP = Bundespolizei, 81 = 81 Meter lang). Außerdem gibt es drei Schiffe vom Typ P 66. Diese sind auch im Küstenwachdienst eingesetzt, genauer: als Off-Shore Patrol Vessels, die gegen Schmuggler, Terroristen, etc eingesetzt werden, sowie die unerlaubte Einreise in die Bundesrepublik Deutschland verhindern sollen. Zudem gibt es fünf 21m lange Patrouillenboote, wovon zwei vor der griechischen Insel Samos, im östlichen Ägäischen Meer, unterwegs sind. Während es in der Ostsee sehr ruhig und entspannt zugeht, ist der Job im ägäischen Meer (im Mittelmeerraum) ein anderer: hier geht es um Flüchtlinge, die von der Türkei nach Europa flüchten (wollen). Hier ist die Bundespolizei See ein Teil von Frontex (Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache).

Besatzung und Schichtdienst auf den Schiffen der Potsdam-Klasse: Eine Streife auf See dauert fünf bis sechs Tage, in denen die Besatzungsmitglieder jeweils ihre feste Schicht im Drei-Wach-Rhythmus haben. Eine Schicht geht jeweils von 0 Uhr bis 4 Uhr, 4 bis 8 Uhr und 8 bis 12 Uhr. Danach zieht wieder die erste Wache auf. Zur Besatzung der BP-81 Potsdam zählen 19 Mitglieder, inklusive Kommandant und Koch.

Aufgaben der Bundespolizei See:

  • Schutz der 888 km langen Schengen*-Außengrenze in Nord und Ostsee, um unerlaubte Einreisen über See zu verhindern (Def. Schengenraum)
  • Wahrnehmung allgemeinpolizeilicher und schifffahrtspolizeilicher Aufgaben seewärts der Begrenzung des deutschen Küstenmeeres
  • Seeraumüberwachung
  • Schutz der Meeresumwelt (präventiv und repressiv, z.B. Ermittlungen bei Gewässerverunreinigungen)
  • Fischereiüberwachung und die Überwachung von Bau- und Unterwasserarbeiten, Meeresbergbau und Forschungshandlungen
  • Hilfeleistung bei Seenotfällen
  • etc

*Der Schengenraum ist eine Zone, in der 26 europäische Länder ihre Binnengrenzen für einen uneingeschränkten Personenverkehr freihalten und schützen. Schiffe aus Ostsee-Anrainer-Staaten wie Finnland, Schweden und Russland, welche (noch) nicht zur Nato gehören, können dennoch durch die Ostsee fahren – außerhalb der Hoheitsgewässer des jeweiligen Landes, was in der Regel außerhalb der 12 -Meilen-Zone möglich ist. Dies sind internationale Gewässer, die Schiffe aller Länder befahren werden können.


Weitere Infos und Quellen:

 

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