Jeder kann mal übergangsweise “behindert” sein, zum Beispiel weil er einen (Sport-) Unfall und/oder eine Operation hatte und dann eine Weile nicht laufen kann. Siehe Artikel dazu. Andere Menschen sind dauerhaft körperlich beeinträchtigt, können schwer laufen oder sitzen sogar im Rollstuhl. Der Alltag ist für sie kompliziert und ständig herausfordernd, weil es an “Barrierefreiheit” mangelt.

Barrierefreies WLAN kennt jeder, oder? Barrierefreiheit meint sonst, dass körperlich Beeinträchtigte (“Behinderte”) ohne Probleme etwas nutzen können sollten. Dazu werden Rampen statt Treppen, breite Türen und zum Beispiel absenkbare Busse gebraucht.

Wie sieht es damit in der Schule aus?

Die neue Behindertenbeauftragte der Stadt Reinfeld, Frauke Meyer Foto: Frauke Meyer: Fotostudio Ketelhohn Bad Oldesloe

ErKant-Redakteur Tobias hat zusammen mit Frauke Meyer, der neuen Behindertenbeauftragten der Stadt Reinfeld, die Aula der Immanuel-Kant-Schule sowie die Schule selbst auf Behindertenfreundlichkeit überprüft und erzählt hier von seinen Entdeckungen. Zunächst gibt es ein wenig Fachwissen:

In der UN-Behindertenrechtskonvention haben sich die Unterzeichnerstaaten in Artikel 9 Absatz 1 dazu verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, mit denen Menschen mit Behinderungen der barrierefreie Zugang zu öffentlichen, städtischen und ländlichen Einrichtungen ermöglicht wird (Quelle).

Aber wird dies auch in der KGS umgesetzt?

Wie in anderen Schulen auch, finden in der Aula der KGS regelmäßig Veranstaltungen für Schüler, aber auch für die Bürger von Reinfeld statt. Möchte ein Rollifahrer einer dieser Veranstaltungen beiwohnen, hat er ein Problem: Zwar hat er es geschafft, über die Rampe vom Busplatz hinauf aufs Schulgelände zu fahren, aber dann steht er vor dem Eingang der Aula und: Treppenstufen

Die Rampe vom Busplatz zum Eingang der Aula – es dauert, bis ein Rollstuhl da hochgefahren ist …

Da diese Treppe nicht alleine überwunden werden kann, brauchen körperlich beeinträchtige Personen (eine andere Bezeichnung für körperlich Behinderte) entweder Hilfe von Dritten oder müssen von der Tür aus die Veranstaltung verfolgen.

Der Verbesserungsvorschlag von Frauke Meyer und Tobias Nerlich wäre hier eine transportable Rampe, die nach Bedarf auf- und wieder abgebaut werden kann.

Ähnliche Probleme zeigen sich auch bei der Versorgung des Altbaus mit Behinderten-WCs: Es gibt keine.

Das ist ein echtes Problem. Denn Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren kommen, aufgrund der Enge, verständlicher Weise nicht in die normalen WC`s hinein. Sie müssten also die Behinderten-WC`s im Neubau nutzen, welche aber bei öffentlichen Abendveranstaltungen geschlossen sind und für Schüler im Schulalltag, je nach Lage der Klassen- oder Fachräume, weit weg sind. Und selbst wenn sie es geschafft haben sollten, hineinzukommen, darin Drehen ist unmöglich!

Abhilfe könnten hier, zu mindestens bei öffentlichen Veranstaltungen, transportable und barrierefreie WC’s bieten. Eine dauerhafte Lösung wäre hir der Umbau von zwei kleinen WC’s in ein großes, rollstuhlgerechtes WC. Das würde, in Anbetracht der finanziellen Lage der Stadt allerdings nicht funktionieren

Und selbst im Behinderten-WC gibt es ein Problem, zumindest im Untergeschoss des Neubaus: Die Spülung ist nicht wie sonst üblich an der Unterseite einer der beiden Seitenstützen angebracht, sondern, an der Wand hinter dem Toilettendeckel, somit ist die Spülung für dauerhafte Rollstuhlfahrer nicht erreichbar.

Auch im Schulalltag stößt man an der KGS immer wieder auf Probleme:

Möchte ein Schüler im Rollstuhl die Physikräume oder die Werkräume erreichen, geht das nicht: Diese Räumlichkeiten befinden sich, genauso wie die Aula, im Keller der Schule und dorthin führen nur Treppenstufen. “Dann fährt man mit dem Fahrstuhl in den Keller” würden jetzt vielleicht einige sagen, aber Fehlanzeige. Der Fahrstuhl verbindet zwar die beiden Geschosse des Neubaus miteinander, reicht aber nicht bis in den Keller, da sich dieser im Altbau befindet.

Vom Neubau aus führt nur eine Treppe zur Aula im Altbau.

“Und was ist mit einem Treppenlift?” Das würde ebenfalls nicht funktionieren, denn in Anbetracht der Tatsache, dass zwischen dem Gang und der Treppe immer mindestens 1,50 m Fluchtweg eingehalten werden müssen, ist es schlicht nicht möglich, dort einen Treppenlift hinzubauen. Außerdem ist so ein Lift sehr kostspielig. Und wenn die Stadt Reinfeld etwas nicht hat, dann sind es verfügbare finanzielle Mittel.

Die einzige Möglichkeit, die einem Rollstuhlfahrer dann noch bleibt: er fährt Außen ums Schulgelände herum und nimmt einen Eingang direkt im Altbau, wo z.B. die Physikräume sind. Das ist natürlich, besonders im Winter und bei Regen und Sturm nicht so toll, weil es glatt, nass und kalt sein kann.

Aber … Will ein Rollstuhlfahrer zum Beispiel am Werkkunde-Unterricht teilnehmen oder ein Ganztagsangebot in den Werkräumen wahrnehmen, welche im zweiten Untergeschoss des Altbaus sind, kann er das vergessen. Faktisch gibt es dorthin keinen Weg für Räder und Rollen und die Treppe ist lang, hat viele Stufen, weswegen von jemand Dritten dorthin getragen werden, auch keine Lösung ist.

Das schließt Menschen mit Behinderungen und anderweitig körperlich Beeinträchtigte von ganz normalen Dingen aus.

Frauke Meyer hat es sich, als neue Behindertenbeauftragte der Stadt Reinfeld, sofort zur Aufgabe gemacht, gehen diese Umstände etwas zu tun.

Was ist überhaupt eine Behinderung?

Dazu gibt es keine einfache Antwort, da es verschiedene Auslegungen des Begriffes “Behinderung” gibt. Grundsätzlich:

Nicht behindertengerechte Schulgebäude können also auch “Normalos” treffen!

Im neunten Buch des Sozialgesetzbuches steht in § 2, Absatz 1 eine Erklärung für den Begriff “Behinderung”:

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können.” […] (Quelle)

Bedeutet im Klartext: Menschen mit Behinderung sind Menschen, die gestörte Sinne, auch Wahrnehmungen genannt, besitzen. Es gibt mindestens 5 beziehungsweise 9 Sinne (Quelle):

  1. Hören, die auditive Wahrnehmung mit den Ohren (Gehör)
  2. Riechen, die olfaktorische Wahrnehmung mit der Nase (Geruch)
  3. Schmecken, die gustatorische Wahrnehmung mit der Zunge (Geschmack)
  4. Sehen, die visuelle Wahrnehmung mit den Augen („Gesichtsempfindung, Gesicht“)
  5. Tasten, die taktile Wahrnehmung mit der Haut (Gefühl)
  6. Temperatursinn, Thermorezeption
  7. Schmerzempfindung, Nozizeption
  8. Vestibulärer Sinn, Gleichgewichtssinn
  9. Körperempfindung (oder Tiefensensibilität), Propriozeption

Sind einer oder mehrere der Sinne gestört, können körperliche, seelische oder geistige Behinderungen auftreten. Unser Redakteur Tobias hat zum Beispiel auch eine körperliche Behinderung sowie eine visuelle Wahrnehmungsstörung (Sehbehinderung).

Zudem gibt es noch eine zweite Gruppe von Menschen mit Behinderungen: die Schwerbehinderten.

Zu ihnen zählen auch Rollstuhlfahrer und Blinde, welche zumindest 50% behindert sind. Sie besitzen einen Schwerbehindertenausweis worin steht, inwiefern sie behindert sind und welcher Gruppe sie zugeordnet sind. Jede dieser Gruppen hat einen Buchstaben oder eine Buchstabenkombination. Was welcher Buchstabe bedeutet, wird in dieser Tabelle (PDF-Datei) gut erklärt.

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