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Als Küstenwache auf Streife in der Ostsee

Der Wind wehte uns fast die Tränen in die Augen… ein Kontrollboot brachte uns vom Rostocker Marinestützpunkt zum Motorboot „BP 81 Potsdam“, einem der größten Schiffe der Bundespolizei See (kurz: BpolSee). Mit diesem und einer 19 Mann-Besatzung fuhren wir nun 48 Stunden lang auf Streife durch die Ostsee – davon berichten wir in dieser Reportage (Teil 1 von 2).

Am coolsten war die Überlebensübung, welche im letzten Video unten zu sehen ist 🙂

Außerdem liefern wir im zweiten Beitrag Daten und Fakten zur Bundespolizei See sowie Berufen dort, und stellen einige von der Mannschaft vor.


Es war fast 12 Uhr, als wir mit dem Kontrollboot (ein „Fast Rescue Boat“) an der BP 81-Potsdam, welches für die Küstenwache eingesetzt wird, eingeholt wurden. Die Küstenwache des Bundes ist seit 1994 ein sogenannter Koordinierungsverbund verschiedener Behörden (mehr Infos), wozu auch die Bundespolizei See gehört. Die “Bpol See” war früher der BGS, Bundesgrenzschutz. „Wir“ sind Torsten Tamm, Pressesprecher der Bundespolizei aus Bad Bramstedt, sowie Minoka Braun, Tobias Nerlich und Susanne Braun-Speck von der erKant-Redaktion.

Foto: Redakteurin Minoka Braun mit BP-See Pressesprecher Torsten Tamm, ausgebildeter Polizist sowie Ingenieur für Nachrichtentechnik, nautischer Offizier, ehemals tätig als Kommandant, Nautiker, und noch viel mehr.

Nach einer Begrüßung des Kommandanten und der Besatzung auf der Brücke, gingen wir direkt in die Messe und bekamen Mittagessen. Ein Dreigängemenü, heute gab es Rinderrolladen. Einige von der Mannschaft waren auch da und natürlich der Koch. Alle sind ausgebildete Polizisten, weitergebildet für ihren Einsatz auf See, jeweils auf einen Tätigkeitsbereich spezialisiert. Es gibt Nautiker, Seemänner (davon der Bootsmann als Abschnittsleiter) und Techniker.

Das Schiff – eine „Kleinstadt“ auf dem Wasser

Nachdem wir unsere Kajüten bezogen hatten, zeigte Maik (ein Seemann) uns das Schiff. Rund eine Stunde lang führte er uns über die „Potsdam“, eins von drei 86-Meter langen Schiffen. Zwei sind in der Nordsee unterwegs, eins in der Ostsee – aktuell ist es die BP-81 Potsdam. Diese ist wie eine kleine Stadt ausgestattet, vergleichbar mit einem Kreuzfahrtschiff.

Unter Deck gibt es eine geräumige “Messe” mit Kantine, die zentraler Treffpunkt in den Pausen und zum Essen ist. Diverse Technik-, Geräte- und Maschinenräume, Feuerlösch-Einrichtungen, ein Krankenzimmer, Fitnessraum, etc. und natürlich die Kajüten (Kabinen), in der jeweils zwei bis drei Kojen (Schlafplätze) vorhanden sind. Sowohl die Besatzung wie auch wir Presse-Redakteure hatten jeweils eine Kajüte für uns.

Siehe auch Video dazu:


Als Beobachter andere Schiffe begleitet

Am 1. Nachmittag probierten die erKant-Jugendredakteure schon einmal die gelben Überlebensanzüge an, die geplante Übung fiel aber aus, da wir einen russischen Schlepper sowie ein russisches U-Boot begleiten mussten, welche in den internationalen Gewässern der Ostsee ohne AIS unterwegs waren. Letzteres kann technische Gründe haben, weil nicht alle Schiffe und Boote ein AIS haben (Automatic Identification System) oder gewollt. Wir beobachteten diese Wasserfahrzeuge auf dem Radar, ebenso wie mit Ferngläsern.

Zwischendurch versorgte der Koch Harald die Mannschaft mit Kaffee und Kuchen. Vor dem Abendessen fand noch die Aufstellübung “Bergerolle” statt, bei der die komplette Besatzung, also wirklich alle Personen an Bord des Schiffes, nach einer Durchsage aufs Deck kamen und sich dort aufstellen mussten. Die einen Steuerboard, die anderen Backboard.

Gab es gerade keine Übung oder Aufgabe zu erfüllen, führten wir Gespräche mit Pressesprecher Torsten Tamm und einigen von der Schiffsbesatzung – wir lernten viel, u.a. Seemannsknoten. Zwischen 20 und 22 Uhr zogen alle, die keine Wache hatten, sich nach und nach zur Nachtruhe zurück, oder hielten sich in Bereitschaft.

Mit dem Kontrollboot an der Küste entlang

Unser 2. Tag startete mit Frühstück um Viertelacht (7.15 Uhr) und einer Kontrollfahrt im Hafen von Kühlungsborn. Dazu wurden wir mit dem Kontrollboot von dem „Launch and Recovery-system“ (Caley-Davit) seitlich am Rumpf des Schiffes herabgelassen und später auch wieder heraufgezogen. Eine „Davit“ ist eine hydraulisch gesteuerte Aussetzvorrichtung für Boote, insbesondere der Rettungsboote, eines Schiffs. Es dauerte circa 20 Minuten, bis wir im Hafen von Kühlungsborn ankamen, wo wir in der morgendlichen Idylle nur Yachten und Segelboote sahen.

Zwei Polizisten gingen von Boot und liefen die Anleger entlang, um eine Hafenkontrolle durchzuführen. Unter Anderem ließen sie sich die Ausweise eines Ehepaares zeigen. Zwei andere Polizisten und wir Redakteure blieben an Bord des Bootes und kontrollierten von hier aus den Hafen.


In quietschgelben Anzügen das Überleben im Notfall üben

Im Seenotfall muss die Crew das Schiff ggf verlassen, ob Brand oder starker Wassereinbruch – dafür sind Überlebensanzüge wichtig. Diese halten warm, sind wasserdicht und sollen die Besatzung oder Schiffbrüchige vor dem Ertrinken und/oder Erfrieren im Wasser schützen.

Tobias und Minoka durften ausprobieren, wie die Anzüge funktionieren, wie Formationen im Wasser gebildet werden und wie die Besatzung im Notfall aus dem Meer wieder herausgefischt wird. Als erstes mussten die Anzüge angezogen, an den Füßen mit Gummibändern fest gemacht und Handschuhe durch Klettverschlüsse geschlossen werden. Fertig angezogen gings zu einer Tür im Schiffsrumpf. Von einer Leiter sind alle Übungsteilnehmer vor- oder rückwärts ins Wasser gesprungen.

„Das hat am Anfang ein wenig Überwindung gekostet, jedoch war das Gefühl im Wasser dann mega cool. Fast schwerelos und ein wenig wie auf Wolken fühlte sich das an“, berichtete Minoka. „Christoph und Roland von der Seemannschaft waren mit uns im Wasser und zeigten uns, wie die Crew sich im Notfall festhält und „verbindet“, sowie eine Gruppen-Schwimmtaktik. Beides funktionierte nicht sofort, war aber sehr lustig.“

Die beiden Seemänner hatten allerdings keine Überlebens-, sondern Arbeitsanzüge mit Löchern an, die sich voller Meerwasser füllten, als sie reinsprangen. Techniker Felix kam auch noch hinterher – allerdings nur in Unterhose 🙂 Am Ende der Übung wurden die “Opfer” mit einem Kletterrettungsnetz zunächst an Bord des Kontrollbootes hinaufgezogen. “Darin fühlte ich mich wie eine Wurst”, meinte Minoka.

„Ich habe mich wirklich sehr auf diese Übung gefreut, auch wenn ich ein kleines bisschen Angst vor ihr hatte. Die Anzüge hielten uns sehr warm und durch Luft darin lagen wir entspannt auf das Wasser – wie in einem Wasserbett!” meinte Tobias. “Für mich gestaltete es sich als etwas schwierig, mit dem Anzug Schwimmbewegungen zu machen… aber das war okay. Ich bin glücklich darüber, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.“

Video dazu:


Urlauber-Segelschiff kontrolliert & verwarnt

Am frühen Abend fuhren wir erneut raus, dieses Mal in den Nothafen “Darßer Ort”, wo außer einem Seenotretter (intern.: Search and Rescue Boat, kurz: SAR) eigentlich nur Schiffe liegen sollten, die in Not geraten waren. Danach fuhren wir noch ein Stück weit die Küste entlang, was herrlich war, bis … wir ein holländisches Segelschiff entdeckten, das an einer Seebrücke vor dem Urlaubsort Prerow auf dem Darß festgemacht hatte.

Crew und Urlaubsgäste waren auf dem Weg nach Rostock zur „Hanse Sail“ und wegen zu wenig Wind nicht weitergesegelt, erzählte eine Frau einem Redaktionsmitglied. Zwei „unserer“ Polizeibeamten befragten natürlich offiziell den Schiffseigner, stellten fest, woher sie kommen und wohin sie wollten, warum sie hier festgemacht hatten, etc.

Sie waren ohne Registrierung an einer Grenzübergangsstelle von Schweden nach Deutschland eingereist. Das ist für Nicht-EU-Mitglieder nicht erlaubt und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, wofür sie ein Verwarngeld hätten zahlen können. Mussten sie aber nicht, da die Crew einsichtig war und der Kommandant der BP-81 Potsdam entschied, sie nur mündlich zu verwarnen. Danach fuhren wir zurück auf unser Küstenwachschiff. Hier verbrachten wir noch eine ganze Weile auf der Kommandobrücke; um 20 Uhr war Wachwechsel und wir gingen kurz darauf zum Schlafen in unsere Kajüten.

Am nächsten Morgen erfuhren wir beim Frühstück, dass der heutige Auftrag (die Begleitung eines weiteren nicht-EU- bzw. nicht-Nato-Mitgliedsschiffes durch die Ostsee) vermutlich bis zum nächsten Tag dauern wird und das auf einer anderen Route als geplant. Deshalb wurden wir (der zweite Pressesprecher Maik und wir von erKant) schon vor anstatt nach dem Mittagessen, mit einem Kontrollboot in Glowe auf der Insel Rügen an Land gebracht. Hier holte uns ein Polizist mit einem Sprinter ab und fuhr uns zu unseren Autos, welche auf dem Marinestützpunkt Hohe-Düne in Rostock standen.

Damit war dieser spannende Ausflug zuende.

In einem zweiten Beitrag schreiben wir über Daten und Fakten zur Bundespolizei See und informieren über Berufe sowie Tätigkeiten an Bord.


Weitere Infos und Quellen:

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