Interview mit Marvin Ladwig, Schülersprecher 2017/18

Marvin ist 20 und in der Klasse 13b, im naturwissenschaftlichen Profil ( Profilfach: Bio )

Was macht ein Schülersprecher so und welche Aufgaben hat er?

Ein Schülersprecher ist der Vorsitzende der Schülervertretung (kurz: SV) und das Verbindungsmitglied zwischen Schulleitung und Schülern. Aufgabe ist überwiegend die Kommunikation zwischen den Beteiligten. Zudem plant er die SV-Sitzungen, kümmert sich um die Organisation von Projekten, plant Klassensprecher-Versammlungen und koordiniert die Funktionen der SV. Außerdem pflegt er Kontakt zu Externen und organisiert Fortbildungen für SV-Mitglieder. Demnächst werden die Schülervertreter z.B. nach Bad Bevensen zu einem 3-tätigen Workshop zum Thema „Demokratie leben“, fahren.

Wie kann man Schülersprecher werden?

Die Schülersprecher-Wahlen finden vor der ganzen Schülerschaft statt. Bei uns in der Aula. Wir führen die Wahl nach Gesetz, andere Schule nicht. Unterschied: JEDER Schüler kann bei uns vor Ort seine Stimme abgeben, nicht nur die Klassen- oder Jahrgangssprecher. Damit hat jeder die Chance mitzuwirken. Schülersprecher kann werden, wer mindestens in der 8. Klasse ist.

Welche Eigenschaften sollte ein Bewerber haben?

Ein Schülersprecher sollte klare Ziele haben und sich bewusst sein, dass es nicht leicht wird. Er sollte gut strukturiert, kommunikativ und organisiert sein. Teamwork ist wichtig und Selbstbewusstsein, denn: Als jüngerer Schüler ist es besonders schwierig, sich durchsetzen und seine Meinung zu vertreten – ggü Älteren und Lehrern zum Beispiel.

Wie sieht der Alltag eines Schülersprechers aus?

Ein voller Tag sieht so aus: Vor Unterrichtsbeginn gehe ich ins Sekretariat und schaue, ob es neue Infos im Postfach gibt, z.B. Einladungen zu Konferenzen, Werbe-Material, etc.  Dann habe ich selbst Unterricht und verbringe die Pausen, um laufende Projekte mit Lehrern abzusprechen und zu planen. Mittagspausen nutze ich oft, um mich mit Schülersprechern zu treffen, etc. Nachmittags muss ich Projekte nacharbeiten oder vorbreiten, z.B. Gesetze prüfen oder mir über Finanzen und Beschaffung von Material Gedanken machen, Sitzungen vorbereiten, etc. Früher kamen Schüler auch häufiger mit Problemen zur SV, aber das ist weniger geworden.

Wie lange bist du schon Schülersprecher?

Ich bin seit einem Jahr Schülersprecher, erstmalig aufgestellt vor 1,5 Jahren. Bereits nach 6 Monaten übernahm ich das Amt, weil der Vorgänger die Schule verließ.

Was hast du in dieser Zeit erreicht?

Seitdem ich in der SV arbeite, haben wir zum Beispiel die Schülerprojekttage eingeführt. Die Schulleitung hatte angefragt, ob wir das machen möchten. Die SV sorgt für die Projektaufstellung, die Werbung dafür, übernimmt einen Teil der Koordination und führt die Teilnehmerlisten.

Zudem haben wir eine Handy-Nutzungs-Regelung ins Gespräch hat, die derzeit in der Entwurfsphase ist. Im Februar wird daran weitergearbeitet. Die Idee kam aus der SV.

Wie kam es zu dieser Idee?

Wir finden: Im Zeitalter der Digitalisierung ist es unzeitgemäß, das Handy in der Schule nicht nutzen zu dürfen. In dem Zusammenhang sind Fairness und gleiche Regeln für alle wichtig! Derzeit vertritt jeder Lehrer eine andere Meinung, sodass wir uns ständig nach dem Wind drehen müssen.

Was war dein wichtigstes Projekt?

Als ich noch Schülervertreter war, habe ich darauf hingearbeitet, dass die Schule den Titel „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ bekommt.  Das hat 2 Jahre gedauert, den an die Schule zu bekommen. Voraussetzung war u.a. einen Schulpaten zu haben, dass 70% aller Beteiligten (Schüler, Lehrer, Hausmeister, etc) ihre Unterschrift leisten und gewisse Prinzipien einhalten wollen. Sowie, dass wir regelmäßig Projekte zum Thema durchführen.

Den Titel kann man verlieren, er muss regelmäßig aufgefrischt werden. In letzter Zeit ist das ein wenig eingeschlafen… In der Vergangenheit haben wir unter der Leitung von Herrn Waldowski mehrere Projekte dazu durchgeführt.

Weiterführende Infos: http://www.schule-ohne-rassismus.org/

Übrigens war ich auch Landesschülervertreter von ganz SH für die Gemeinschaftsschulen. Das war ich ca. 6 Monate. Dazu wird man auch gewählt und zwar auf dem Landesschüler-Parlament. Das besteht aus 1 Schüler jeder Schule in SH. Ich bin da freiwillig wieder ausgetreten, weil das Büro in Kiel ist, wohin die Anfahrt lang und teuer ist.

Was waren/sind deine Ziele?

Ich bin Schülersprecher geworden, weil ich Struktur reinbringen wollte und die Schüler mehr mitwirken sollen können. Bevor ich angetreten bin, habe ich Plakate ausgehängt, wo Schüler Wünsche eintragen konnten. Daraus habe ich eine Liste erstellt und infolge versucht, diese umzusetzen. Es stand viel Quatsch drauf, aber auch Konstruktives. Wie z.B. der Wunsch nach der Handynutzungsordnung, ein angenehmeres Schulklima, etc.

Klima in 2facher Hinsicht: Das Raumklima in den Klassen ist oft schlecht, vor allem zu warm, da viele Räume auf der Sonnenseite liegen. Ansonsten ging es um das Arbeitsklima und dem Umgang miteinander. Das hat sich leicht unter den Schülern verbessert, seit der Einführung der „Schule gegen Rassismus“. Es gab vorher mehr Mobbing! Frau Holfter war pädagogische Schulleiterin unter Herrn Scholz und eine Schlägerei in der Bücherei löste im Grunde genommen die Einführung von „Schule ohne Rassismus“  aus.

Was kommt 2018?

Ich möchte bis Ende des laufenden Schuljahres einen Wettbewerb durchführen, zum Thema „Schule ohne Rassismus“ wie folgt: Die SV möchte das Thema auffrischen und die Klassen ein Video, einen Vortrag, ein gestalterisches Werk oder was auch immer erstellen lassen. Damit können sie etwas gewinnen, z.B. Geld für die Klassenkasse, was aus dem SV-Etat fließen würde (z.B. 200 €).

Vielleicht wird es dieses Jahr auch etwas mit dem „Fest der Kulturen“, welches 2017 u.a. aus finanziellen Gründen nichts geworden ist.

Welche Probleme gab es?

Probleme von Schülern und/oder dem Schulleben an sich waren in den letzten Jahren z.B. die Bus-Regelungen / Abfahrzeiten, die Pausenregelungen (zu lang oder zu kurz); das Sportfest sollte umgestaltet werden (Ideen liegen vor). Allgemein schwierig ist es immer, wenn Externe die Vorgaben machen (Stadtfinanzierung, Busfahr-Unternehmen).

Du hast 3 Schulleiter erlebt – gab es da Unterschiede? Wenn ja, welche?

Hr Scholz  – Hr Waldowski – Hr Trinkler

Große Unterschiede gab es nicht, alle sind kommunikativ und offen für Ideen aus der Schülerschaft. Unter Herrn Waldowski gab es mehr Erneuerungen und Innovationen. Die Anträge und Ideen kamen dabei überwiegend von Herrn Schlaak und Herrn Binding. Herr Scholz war besonders aufgeschlossen und freundlich im Umgang, mit ihm konnte man gut reden. Herr Trinkler brachte ganz neuen Wind in Form von Ideen mit, wovon aber noch nicht viel umgesetzt wurde.

Was würdest Du sofort verändern, wenn du könntest?

Ich würde definitiv das Schulleben umgestalten und zwar wie folgt:

  • Die Internetverfügbarkeit sollte gewährleistet sein.
  • Mehr Arbeit mit digitalen Inhalten und Online-Angeboten
  • Die SV strukturierter aufbauen und organisieren, z.B. die Amtszeit verlängern, damit effektiver gearbeitet werden kann.
  • Mitwirkungsmöglichkeiten erhöhen und Wünsche von Schülern mehr abrufen, wahrnehmen und umsetzen.

Gibt es schon einen Nachfolger?

Noch nicht, aber es interessieren sich Zwei dafür, die im Grunde genommen zusammen die Arbeit übernehmen möchten. Im Februar ist die Wahl. Meine Stellvertreterin ist übrigens Nadine Willers, Klasse 13s. Wir teilen uns die Aufgaben – ihr Lieblingsprojekt ist die Einführung einer „Mini-SV“ für die Unterstufe, damit die auch den Schulalltag beeinflussen können.

 
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