Ist das Leben in einem Internat wirklich so, wie es bei Hanni und Nanni beschrieben wird?

Bente Kieckhöfel ist 17 Jahre alt, kommt aus Reinfeld und lebt seit über einem Jahr in einem Internat. Bei uns erzählt sie von ihrer Zeit im Ausland.

Die Ferien verbringt Bente bei ihrer Familie in Reinfeld oder auch im Urlaub, aber in der Schulzeit wohnt sie in einem Haus in Dollar, einer Stadt im zentralen Schottland, zusammen mit 15 anderen Internatsschülern. Sie teilen sich Schlafzimmer und Bäder. Zum Entspannen können sie ein eigenes Wohnzimmer oder den PC-Raum nutzen. Eine kleine Küche besitzen die Schüler ebenfalls, wobei sie eigentlich in den benachbarten Gebäuden essen und zur Schule gehen.

Die Dollar Academy ist sowohl eine Privatschule, als auch ein Internat (Infos auf Deutsch). Es verfügt über einen großen Campus. Neben den Internatshäusern befindet sich Kindergarten, Grundschule und die weiterführende Schule auf dem Gelände. Die Akademie wurde bereits 1818 vom Kapitän John McNabb gegründet. Aufgrund seiner langen Tradition wurde das Hauptgebäude 1960 unter Denkmalschutz gestellt. Beim Interview war Bentes Begeisterung über ihr Internatsleben spürbar…

Warum hast du dich für ein Internatsleben im Ausland entschieden?

Ich wollte gerne ein Auslandsjahr machen, um besser Englisch zu lernen. In einer Familie wollte ich aber ungern wohnen, aufgrund der großen Umstellung, wenn man neu in eine Familie kommt. Daraufhin habe ich mich informiert und mich ich für die Dollar Academy entschieden.

Woher kommen die Schüler der Dollar Academy?

Bente (Zweite v.r.) mit Freundinnen

Die meisten kommen aus Schottland, da das Internat nur ein Teil von der Schule ist. Insgesamt gibt es 80 Schüler, die in einem Internat wohnen. Einige von ihnen kommen aus Deutschland, aber es gibt auch viele aus Osteuropa, die mit einem Stipendium gekommen sind. Es wird immer geschaut, dass nicht zu viele aus einem Land in einem Jahrgang vertreten sind.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Am Morgen ziehen wir unsere Schuluniformen an und gehen in die Mensa zum Frühstücken. Unsere Schule beginnt um 9:00Uhr, aber man muss um 8:45 schon da sein, um sich zu registrieren. Dafür trifft man sich zunächst in „seiner“ Klasse. Außerdem werden dort alle organisatorischen Sachen geklärt. Dann gibt es eine Versammlung in der Aula. Das läuft dort dann etwas wie in der Kirche ab: Man steht auf, wenn die Lehrer kommen, anschließend spricht der Rektor. Daraufhin wird noch gesungen und ein Morgengebet gesprochen. Es ist nicht verpflichtend mitzubeten, wenn man nicht gläubig ist, aber die Schule hat die Vorschrift, so etwas zu machen. Nach der Versammlung beginnt der Unterricht bis zur Mittagspause. Die Mittagspause dauert dann eine Stunde und anschließend findet der Nachmittagsunterricht bis 15:25 Uhr statt. Nach dem Unterricht kann man entweder nach Hause gehen oder nachschulische Aktivitäten wahrnehmen. Um 17:00 Uhr gibt es leider schon Abendessen und am Ende des Tages haben wir noch von 18:00Uhr bis 20:00Uhr eine Lernphase für die Hausaufgaben.

Wie bewertest du die Schule im Ausland im Gegensatz zu Schulen in Deutschland?

Man kann sich im Ausland genau aussuchen, welche Fächer man belegen möchte. Das finde ich persönlich viel besser, da man ja in Deutschland dagegen verpflichtet ist, so viele Fächer zu nehmen. Im Ausland konnte ich dann die Fächer, die ich nicht mochte, abwählen. Zudem besitzen wir noch ein Kurssystem, also man wechselt die Klassenräume und hat somit auch in jedem Fach andere Mitschüler.

Konntest du dich schnell in den englischsprachigen Unterricht einfinden und wie läuft es heute so?

Am Anfang war es schwierig, weil ich nicht jedes Wort verstanden habe. Dann habe ich aber meine Lehrer gefragt, ob sie mir helfen können und sie haben mir sehr geholfen. Das ist halt nochmal ein Unterschied: Du kannst nach der Schule zu ihnen hingehen und Unterrichtsthemen nachfragen. Sie setzen sich sogar mit dir noch mal hin, erklären, rechnen mit dir Aufgaben etc.. Jetzt läuft es aber ganz gut, da man ja täglich Englisch spricht, verbessert sich das Englisch automatisch.

Wie gestaltest du deine Freizeit und werden Freitzeitmöglichkeiten von der Akademie angeboten?

Hockeymannschaft

Das Internat bieten sehr viel an! Viel im sportlichen Bereich. Sie bieten für die Jungs im Winter Rugby und im Sommer Cricket an und für die Mädchen im Winter Hockey und im Sommer Tennis. Fußball etc. gibt es natürlich auch. Diese Aktivitäten sind aber nicht verpflichtend. Auch im musikalischen Bereich gibt es sehr viel. Es gibt mehrere Orchestren und Chöre. Darstellendes Spiel und Kunst wird ebenfalls angeboten. Dann gibt es noch CCF, das ist so etwas wie eine kleine eigene Army.

Was bezeichnest du als typisch schottisch?

Natürlich sind typisch schottisch die Schottenröcke. Die Mädchen tragen als ihre Schuluniform auch so einen karierten Schottenrock. Die Männer tragen aber auch welche! Zum Winterball und anderen Festen sah man dann auch die Männer in Schottenröcken. Es gibt sogar ein individuelles Karo für jeden Familiennamen. Die Schotten sind schon ziemlich auf ihre Tradition bedacht. Zum Beispiel spielen sehr viele, sogar an meiner Schule, Dudelsack. Es gibt richtige Bands und Wettbewerbe.

Vermisst du deine Freunde und Familie, wenn du im Ausland bist? Und wie oft kannst du sie sehen?

Meine Familie und Freunde vermisse ich natürlich schon sehr, da ich sie halt immer nur in den Ferien sehen kann. Meine Familie vermisse ich besonders, da es schon eine Umstellung ist, sie nicht mehr so häufig zu sehen, aber es ist okay, da man ja heutzutage skypen kann. Die letzte Woche vor den Ferien freue ich mich aber schon besonders auf zu Hause. Aber wenn die Ferien dann zu Ende gehen, freue ich mich auch wieder, meine neuen Freunde in Schottland wiederzusehen.

Was stellst du dir in der Zukunft beruflich vor? Wird dein Aufenthalt dabei eventuell von Vorteil sein?

Ich möchte gerne Zahnmedizin studieren, dabei ist es natürlich schon von Vorteil, da ich genau die Fächer wählen kann, die ich dafür brauche. Dadurch, dass wir nur so wenige Fächer haben, gehen wir mehr ins Detail, also der Unterricht ist intensiver als der in Deutschland. Ich weiß aber noch nicht, wo ich studieren werde. Vermutlich bewerbe ich mich sowohl in Deutschland als auch in Schottland.

Ist das Leben im Internat wie man es aus „Hanni und Nanni“ kennt, mit Kleiderordnung, strengen Lehrern, Übernachtungspartys etc. ?

Am Anfang habe ich es mir auch nur so vorstellen können, aber es ist ganz anders! Aber ja klar, wir haben eine Kleiderordnung und es ist auch streng, was Schmuck, Make-Up und Haare färben usw. angeht. Die Lehrer dagegen sind nicht so streng, eigentlich eher hilfsbereit. Wir haben auch immer einen Lehrer in unseren Internatshäusern, der mit seiner Familie ein Apartment im Haus hat. Am Anfang dachte ich auch, dass es komisch wird, aber man merkt sie selbst dort nicht besonders. Übernachtungspartys sind zwar nicht verboten, aber machen wir eigentlich nicht. Man ist ja auch sonst immer mit einem Flur verbunden und dann gehen wir fürs Schlafen in unsere Einzel- oder Doppelzimmer. Bei Hanni und Nanni machen sie ja auch so etwas wie Matratzenrennen, so etwas machen wir auch nicht, obwohl ich das gerne mal machen würde! 😀

Es war sehr interessant, von Bentes Erlebnissen zu hören. Wenn du auch von anderen Auslandsaufenthalten etwas erfahren möchtest, dann schaue doch mal beim Interview mit Benni Müller vorbei, der ein Jahr Work and Travel in Neuseland macht!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.