Von engagierten Lehrern, einem kaputten Fahrstuhl und einer äußerst hilfsbereiten Klasse!

Vor einigen Monaten musste ich operiert werden, danach bekam ich vom Krankenhaus einen Rollstuhl gestellt. Und wie die Zeit im Rollstuhl für mich und meine Klasse war, möchte ich jetzt hier erzählen. Fangen wir mal an dem Tag an, an dem ich die Nachricht bekommen habe, dass ich operiert werden muss …

Es war in der vorletzten Woche der Sommerferien 2017.

Nachdem ich die Nachricht von der geplanten OP (Operation) bekommen hatte, rief ich meinen Freund an und fragte ihn, ob er mich zur Schule begleiten will. Er hat natürlich direkt “Ja” gesagt. Einen Tag vor der Operation schickten mir meine Freunde aus der Theatergruppe über die Whatsapp-Gruppe aufmunternde Nachrichten, lustige Videos, Bilder und vieles mehr.

Vielen vielen Dank für all die netten Nachrichten – sie haben mir echt geholfen!!!! 🙂  

Bevor ich wieder zur Schule gegangen bin, musste ich mich Zuhause zwei Wochen von der Operation erholen. In dieser Zeit haben mich viele Freunde besucht und sich nach meiner Gesundheit erkundigt. Unter Anderem auch meine Regisseurin vom Theater, die ich jetzt schon seit sechs Jahren kenne. Im Gepäck hatte sie die ersten Szenen des Kurzfilms “Sie ist da”, den sie mit einigen Mitgliedern der Theatergruppe in den Sommerferien gedreht hatte. Diese durfte ich mir dann, noch ungeschnitten und als erster (nach den Schauspielern), ansehen.

Klassenraum-Umbau & helfende Hände

Am ersten richtigen Schultag im Rollstuhl sind wir beide zur Schule gefahren. Meine Lehrerin fragte mich, ob ich die Operation gut überstanden habe. Damit ich mich im Rollstuhl gut in der Klasse bewegen konnte, haben wir die Tische im Klassenraum umgestellt und einen Plan erstellt, wer mich nach Bedarf mitnimmt und nach Hause bringt. Alle haben sich ohne Zögern bereit erklärt mir zu helfen. Das fand ich sehr toll!!! Schließlich hat dann Hannah (unsere Klassensprecherin) den Job übernommen, während Nick (mein Freund) der “Joker” war, wenn Hannah gerade einmal nicht konnte.

Fahrstuhl-Themen & lösungsorientierte Lehrer

An einem weiteren Tag fiel der Aufzug aus, also stand ich mit Nick vor dem Aufzug. Wir mussten aber nach oben in  den zweiten Stock, weil wir in unserem Klassenraum Englisch mit Herrn Schlaak hatten. Da kam uns Frau Scheibner entgegen. Nick sagte zu mir, dass ich warten solle und, dass er Sie fragen würde, was wir nun machen sollen. Kurze Zeit später kam Nick wieder und sagte mir, dass Herr Schlaak den Unterricht nach unten in den Mehrzweckraum verlegt hatte. Also kamen alle anderen Schüler die Treppen herunter und wir machten extra für mich im Mehrzweckraum Unterricht.

Clemens Schlaak, Stufenleiter 7./8. und praktischer Helfer in der Not.

Als die Englischstunde beendet war, musste ich trotz des kaputten Aufzugs nach oben in das Klassenzimmer. Also überlegten meine Schulbegleiterin, Herr Schlaak, Nick und ich, wie man mich jetzt die Treppenstufen hinaufbekommt. Herr Schlaak hatte eine Idee:

“Ich trage dich einfach Huckepack die Treppen nach oben, und deine Schulbegleitung und Nick tragen den Rollstuhl nach oben!

So wurde es gemacht. Nachdem wir oben angekommmen waren, schauten alle Schüler auf der Etage ungläubig zu uns. Gleich darauf saß ich wieder in meinem Rollstuhl. Zum Abschluss dieser Aktion sagte Herr Schlaak, dass er jetzt nicht mehr ins Fitnessstudio müsse 🙂 Der Aufzug wurde noch am selben Nachmittag repariert.

An einem anderen Tag, wollten Hannah und ich mit dem Aufzug ins Erdgeschoss fahren, um nach Hause zu kommen. Doch da wollten wohl alle Jungs aus meiner Klasse mitfahren und haben sich in den Aufzug gequetscht oder irdendetwas in die Lichtschranke der Tür gestellt, sodass sie sich nit mehr schloss. Nach einer halben Ewigkeit konten wir dann endlich mit dem Fahrstuhl nach unten fahren. Ich fand die Aktion der Jungs sehr lustig! 🙂

Helfer-Wechsel & Hürde “Fußweg”

Am nächsten Tag gab Hannah den Job an Alannah ab, die mich bis zum Kindergarten begleitete. Dann musste sie ihre kleine Schwester abholen, also habe ich versucht, alleine nach Hause zu fahren, was auch bis zur Einfahrt vor meinem Haus gut klappte, bis die Räder des Rollstuhls blockiert wurden und ich nicht mehr weiterfahren konnte. Ich merkte, wie der Rollstuhl langsam auf die Straße zurollte. Gott sei dank kamen in diesem Moment Hannnah und Svenja aus meiner Klasse und halfen mir die Auffahrt hochzukommen.

Sooo, das waren nun die schönsten und lustigsten Geschichten, die ich in meiner Zeit im Rollstuhl erlebt habe:). Wenn ich hier so schreibe denke ich, dass es trotz einiger Schwierigkeiten eine sehr schöne Zeit war. Dennoch bin ich froh, jetzt nach vierzehn Jahren endlich normal laufen zu können. Ich hoffe, euch hat diese Geschichte gefallen und ihr konntet ein bisschen lachen. 🙂

Euer

Tobias (Redakteuer “ToN”)

Und hier noch eine kleine Bonus-Geschichte zu meinem allerletzten Tag auf Krücken:

Es war der 31.12.17. Mein Vater und ich hatten im Krankenhaus abgemacht, dass wir dieses Jahr ein noch größeres Feuerwerk, als in den Jahren zuvor, machen. Zur Feier meiner krückenfreien Zeit, die an Silvester begann. Um Punkt Null Uhr traf ich mich mit einem Nachbarn, der auch Krücken hatte und sie auch am Silvesterabend ablegen konnte, um unsere gemeinsame krückenfreie Zeit zu feiern.

Um Null Uhr schmissen wir Beide mit den Worten “Nie wieder Krücken!” unsere Krücken auf die Wiese und feierten gemeinsam Silvester. 🙂

Bildnachweis: Pixabay Fotograf: klimkin

 
1 Antwort
  1. Jörg Levermann sagte:
     

    Hallo Tobi,
    eine schöne und lustige Reportage.
    Du hast ja tolle Lehrer/Schulkameraden.

    Der Nachbar 🙂

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.