Es gibt Grundbedürfnisse, die bei allen Menschen gestillt werden müssen. Aber: So verschieden wie Menschen sind, so verschieden sind auch ihre Bedürfnisse. Was bedeutet das für den Schulalltag? Braucht jeder Schüler etwas Anderes, um gute Noten abliefern zu können?

Was Menschen brauchen, um sich wohlzufühlen und motiviert zu sein, zeigt zum Beispiel die Bedürfnispyramide. Sie beruht auf einem Modell des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow, das 1943 veröffentlicht wurde. In dieser Pyramide sind die menschlichen Bedürfnisse stufenweise dargestellt.


Die „klassischen“ fünf Ebenen der Bedürfnispyramide wurden und werden vielzählig interpretiert. Fakt ist: Wenn schon die Basis fehlt, also die Grundbedürfnisse nicht gestillt werden, können auch die nächstfolgenden Bedürfnisstufen schwer erreicht werden. Wer zum Beispiel hungert und durstet, oder sich stets einsam und ausgeschlossen fühlt, wird nur im Ausnahmefall seine Fähigkeiten (Stufe 5) frei entfalten können.

Grundsätzlich sind die Bedürfnisse bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Zum Beispiel brauchen die Einen extrem viel Bewegung, während die Anderen sich faul ganz wohl fühlen. Sensible Schüler brauchen mehr Fürsprache und mehr Sicherheit, als weniger emotionale Jugendliche. Ausgeschlossene Einzelgänger brauchen mehr Aufmerksamkeit durch Lehrer, während die Beliebtesten der Klasse schon genug Zuspruch erhalten, um sich toll zu fühlen. Das sind wenige von vielen Beispielen.

Ohne Luft, Wasser & Nahrung geht nichts!

Es gibt Grundbedürfnisse, die jeder ohne Zweifel hat. Dazu gehört das Bedürfnis nach Luft und Wasser, Nahrung, Bewegung, Schlaf, körperliche Nähe und natürlich allgemeines Wohlbefinden.

In der Schule wirken sich nicht gestillte Grundbedürfnisse negativ auf die Leistungen aus. Zum Beispiel muss immer gut gelüftet werden, damit alle genug Sauerstoff bekommen. Wer aufs WC muss oder nicht genug getrunken hat, fühlt sich unwohl und kann sich nicht konzentrieren. Deshalb sollte Trinken und aufs WC gehen, jederzeit erlaubt sein.

Essen im Unterricht wird nicht gern gesehen und kann auch bis zur Pause warten, sofern ein Schüler nicht unterzuckert ist, da der Körper zwar jederzeit Luft und Wasser braucht, aber durchaus hungrig eine Weile durchhalten kann. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass ein Schüler mit ungestillten Grundbedürfnissen, also der hungrig, durstig oder müde ist, sich nicht konzentrieren kann und schlechte Leistungen abliefert.

Angstfreiheit, Sicherheit und Geborgenheit sind wichtig, auch in der Schule.

Ein guter Umgang zwischen den Schülern untereinander und mit den Lehrern fördert das Gefühl von Sicherheit. Natürlich sollten Lehrer ihre Schüler auch vor Gefahren schützen. Damit sind nicht nur körperliche Gefahren, sondern auch seelische Verletzungen, zum Beispiel durch Mobbing, gemeint. Lehrer sollten sich also schützend vor “bedrohte” Schüler stellen und ihnen, wenn nötig, helfen.

Allgemein sollte ein gewisser Respekt unter den Anwesenden herrschen, um ein gutes Arbeitsklima herzustellen. Viele Schüler berichten von Lehrern, die sehr laut oder sogar aggressiv gegenüber den Schülern sind. Das fördert natürlich nicht das Sicherheitsbedürfnis, sondern macht hochsensiblen Schülern sogar Angst. Zu dem Punkt “Absicherung” gehört auch, dass die Schüler darauf vertrauen können sollten, dass ihre Lehrer im Interesse der Schüler handeln und ihnen jederzeit gerne helfen.

Du willst dazu gehören? Das ist ein normales Bedürfnis!

Wichtigster Punkt bei den sozialen Bedürfnissen ist, dass Schüler sich zugehörig und „willkommen“ fühlen möchten. Das insbesondere in ihrem Klassenverband, in dem jeder Einzelne integriert sein sollte. Niemand sollte ausgeschlossen werden und schon gar nicht diskriminiert oder gemobbt werden.

Mobbing ist in der Schule leider ein großes Thema und sollte, so gut wie nur möglich, von Lehrern verhindert werden, denn: Betroffene Schüler leiden sehr darunter, wenn sie beschimpft, beleidigt und herabgewürdigt werden und falsche Informationen über sie verbreitet werden. Ihre sozialen Bedürfnisse werden durch Mobbing sinngemäß mit Füssen getreten.

Miteinander kommunizieren, anstatt sich gegenseitig zu ignorieren, ist auch wichtig für die sozialen Bedürfnisse. Zu einer wertschätzenden Kommunikation gehört nicht nur ein friedlicher und positiver Umgangston, sondern auch Gerechtigkeit. Denn Ungerechtigkeit ist nicht sozial und demotiviert! Dagegen wirkt es positiv auf Schüler, wenn sie sich gerecht behandelt fühlen und gelobt und belohnt werden, anstatt immer nur kritisiert zu werden.

Schlussendlich ist es jedem Menschen auch ein Bedürfnis, Freude zu empfinden und Spaß zu haben. Ein allgemein entspanntes (Schul-) Umfeld mit humorvollen Reaktionen von Lehrern, würde dabei helfen.

Anerkennung gibt dem Streben Nahrung?!

Lob, positive Beachtung, Wertschätzung und Einflussnahme wirken stark auf das Wohlbefinden und die Leistungen von Schülern. Wird anerkannt, was sie abliefern, motiviert sie das zu noch mehr Leistung!

Dagegen: Schüler, die innerhalb ihres Klassenverbandes keine Anerkennung und positive Beachtung bekommen, fühlen sich schlecht. Das heißt, ihr Bedürfnis danach wird nicht gestillt.

Gerade Klassenlehrer sollten es als ihre Aufgabe sehen, jedem seiner Schüler und Schülerinnen ausreichend Beachtung zu schenken. Ebenfalls sollten Lehrer die positiven Eigenschaften und individuellen Talente ihrer Schüler wertschätzen und stärken. Ein lobendes Wort zur richtigen Zeit, kann wahre Wunder  und höchst motivierend wirken. Ihr Geltungsbedürfnis können Schüler durch Mitbestimmung und einflussreiche Aufgaben innerhalb der Klasse erfüllen.

Wie du das Fliegen lernst?

Auf der fünften Stufe der Bedürfnispyramide würde ein Mensch geistige Freiheit, Individualität und die freie Entfaltung seiner Fähigkeiten erleben. Es ist die höchste und damit die “Königsklasse” der Bedürfnissstufen, die oft nicht erreicht werden kann. Denn es müssen vorher alle anderen Bedürfnisse gestillt werden.

Aber: Selbst wenn all die anderen Bedürfnisse gestillt werden sollten, hapert es im Schulalltag zum Beispiel an den vorgeschriebenen Lernwegen, weil dadurch die individuellen Fähigkeiten der Jugendlichen unterdrückt werden.

Jeder ist nämlich ein anderer Lerntyp und kann sich nur selbst verwirklichen und Informationen gut aufnehmen, wenn er nach seinem Lernstil arbeiten darf. Lehrer sollten ihre Schüler also flexibler, auf ihre eigene Art und Weise lernen lassen.

Welcher Lerntyp bist Du?

Siehe Grafik: Darstellung der Lerntypen.

Ebenso gehört das Stärken und Fördern (Fordern) der individuellen Fähigkeiten und Talente, zu den üblichen Aufgaben der Lehrkräfte im Sinne von Stufe Fünf. Schüler unterstützen sich gegenseitig, in dem sie unterschiedlichste Talente akzeptieren, anerkennen und wertschätzen.

Ausnahmen bestätigen die Regeln?

Natürlich gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel Schüler, die einsame Einzelgänger sind und deren Bedürfnisse der Stufe 3 nicht erfüllt werden, aber dennoch Höchstleistungen erbringen und deswegen wenigstens von Lehrern Anerkennung (Stufe 4) erleben.

Aber: Leider macht das die betroffenen Schüler nicht glücklich. Aufgrund von Einsamkeit sich ins Lernen zu stürzen, sättigt nicht die sozialen Bedürfnisse – insbesondere nicht bei Jugendlichen, denn:

In der Pubertät haben Jugendliche besonders starke soziale Bedürfnisse, die nicht mehr von der Familie, sondern jetzt mehr über Gruppen Gleichaltriger gedeckt werden können.


Quellen:

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