Schüler fordern Zukunftskompetenzen statt Unterricht von gestern
Ein Verein vermittelt sie – und: fordert endlich strukturelle Unterstützung. Reinfeld / Kiel, 22. Mai 2025 – Finanzbildung, Medienkompetenz, Bildung für nachhaltige Entwicklung, politische Teilhabe und Gesundheitskompetenz: Mit einem Acht-Punkte-Forderungskatalog macht die Landesschüler:innenvertretung (LSV) der Gymnasien in Schleswig-Holstein Druck für eine Schule, die junge Menschen besser auf die Realität einer sich rasant verändernden Welt vorbereitet. Ihr Sprecher: Eschel Ewert.
Für Susanne Braun-Speck, Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins sii-talents e.V., kommt dieser Vorstoß nicht überraschend – wohl aber spät. „Einige dieser Forderungen setzen wir seit Jahren praktisch um.“
Besonders Punkt 4 des Katalogs – „Digitale Bildung durch Medienteams strukturell an Schule verankern“ – trifft bei Braun-Speck einen Nerv. Denn mit dem Projekt MediaTeams entwickelt und begleitet der Verein seit Jahren digitale Medienprojekte mit Schüler:innen in Schleswig-Holstein und darüber hinaus. „Die Schüler:innen benennen genau das Problem, das seit Jahren offensichtlich ist: Schule vermittelt vielerorts noch Inhalte und Strukturen von gestern, während junge Menschen längst mit KI, sozialen Medien, Desinformation, gesellschaftlichen Krisen und einer sich radikal wandelnden Arbeitswelt konfrontiert sind“, erklärt Braun-Speck.
Über MediaTeams (bis 2024 bekannt unter Media4Teens & Schools) lernen Jugendliche – und ihre Lehrkräfte – seit 2017 nicht nur den Umgang mit digitalen Medien, sondern arbeiten in echten Redaktions-Teams, recherchieren, schreiben, produzieren Inhalte und setzen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander. Medienkompetenz, kritisches Denken, KI-Kompetenz, Teamarbeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung werden dabei praxisnah miteinander verbunden. Ein bekanntes Praxisbeispiel ist erKant.de – ein mehrfach auf Landes- und Bundesebene ausgezeichnetes Schüler-Medienprojekt, das als Vorbild für ähnliche Formate dienen kann.
Auch weitere Forderungen der LSV – etwa mehr Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie stärkere politische Bildung und demokratische Teilhabe – greifen Themen auf, an denen der Verein seit Jahren arbeitet.
Mit dem ebenfalls entwickelten Format DenkRadar steht ein Werkzeug zur Verfügung, das junge Menschen, Gruppen und Organisationen dabei unterstützt, komplexe gesellschaftliche Themen multiperspektivisch zu analysieren. Mithilfe KI-gestützter Recherche und strukturierter Debattenformate werden Zielkonflikte, unterschiedliche Interessen und mögliche Folgen sichtbar gemacht.
„Wer Demokratie stärken will, muss junge Menschen befähigen, Fragen zu stellen, Informationen kritisch einzuordnen und unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Genau darum geht es bei DenkRadar.“ Braun-Speck verweist zudem auf eine weitere Entwicklung: ein eigenes digitales Werkzeug, das den datenschutzsensiblen Einsatz von KI in schulischen DenkRadar- und MediaTeams-Projekten erleichtern soll.
Deutlich wird für die Bildungspraktikerin jedoch auch ein strukturelles Problem:
„Es reicht nicht, solche Kompetenzen politisch zu fordern, während innovative Bildungsarbeit dauerhaft in kurzfristige Projektförderung gedrängt wird. Seit Jahren entwickeln wir mit enormem Einsatz Lösungen für genau diese Herausforderungen – oft mit großem ehrenamtlichem Anteil und ohne verlässliche strukturelle Unterstützung.“
Ihre Forderung ist klar:
„Wenn Politik Zukunftskompetenzen ernst meint, braucht es nicht nur Positionspapiere, sondern belastbare Finanzierung, verlässliche Partnerschaften und die Bereitschaft, funktionierende Praxislösungen tatsächlich in die Fläche zu bringen. Gesellschaft und Wirtschaft brauchen junge Menschen, die auf die Zukunft vorbereitet sind – nicht auf eine Vergangenheit, die längst vorbei ist.“
Der Verein bietet der Landesschüler:innenvertretung ausdrücklich den Austausch sowie fachliche Unterstützung an.
Über sii-talents e.V.
Der gemeinnützige Verein sii-talents e.V. aus Schleswig-Holstein entwickelt Bildungs- und Beteiligungsprojekte an der Schnittstelle von Digitalisierung, KI, Medienkompetenz und nachhaltiger Entwicklung. Die Arbeit wurde unter anderem mit der UNESCO-Auszeichnung „Nationale Auszeichnung BNE“ gewürdigt. Susanne Braun-Speck ist Initiatorin, konzeptionelle Entwicklerin und Projektleiterin der genannten Formate.
Quellen:
- diverse Medienberichte (NDR, Welt, ntv, etc)
- Website > pdf der Schülervertretung













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