“Du bist doch süchtig!” – eine schwere Anschuldigung, die so manch einer von uns schon gehört hat, wenn ein paar YouTube-Videos am Handy geschaut oder auf Instagram neue Bilder gepostet wurden. Doch wann ist ein Nutzer abhängig? Wann wird übermäßige Nutzung zur Sucht? Diese Fragen wurden auf dem Seminar “Smartphone-Sucht?!” vom Kreisjugendring Stormarn e. V. geklärt.

Am 27. Februar 2018 fand dieses Seminar im Hause des Kreisjugendrings (KJR) in Bad Oldesloe statt. Olivia Förster, Medienpädagogin des KJR’s, führte das Seminar mit interessanter Theorie und aufschlussreichen Spielen durch. Ihre weitere Arbeit besteht aus Präventions- und Medienkulturarbeit für den KJR, wobei Sie außerdem die Schüler-Medien-Lotsen ausbildet. Einen Artikel zur Arbeit der Schüler-Medien-Lotsen an unserer Schule findet ihr hier.

Zunächst stellten die Teilnehmer in einer kurzen Vorstellungsrunde sich und ihre Erwartungen an das Seminar vor. Gemeinsame Erwartung aller war, Wissen zur besseren (Eigen-) Reflexion* zu erlangen (*Eigenreflexion bedeutet mitunter eigenverantwortliches Handeln und das Hinterfragen des persönlichen Arbeitskonzeptes. Quelle)

Eröffnet wurde das Seminar durch ein kleines Spiel, das viele Jugendgruppenleiter und Schüler kennen. “Obstsalat”, jedoch in der Medien-Edition. Zwischen diesem Spiel und dem nächsten Seminarpunkt, brach eine kleine Diskussion zum Thema “Bilder im Netz” aus. Dabei berichtete ein Teilnehmer aus eigenen Erfahrungen, dass selbst Arbeitgeber heutzutage anhand der Bilder in einer Bewerbung, eine Google-Suche durchführen und sich die Social-Media-Profile der Bewerber anschauen können.

Jeder hat seine Jugendsünden, die oft im Netz bleiben, wenn sie einmal dort eingestellt wurden. Freizügige Bilder, starker Alkoholkonsum und anderweitige Ausrutscher können einem jungen Schulabsolventen bereits den Traumjob bei einem Großunternehmen kosten. Und das, egal wie gut die Noten sind. Im Zuge dieser Diskussion kam auch die Frage auf: “Sind “Snaps” wirklich nach 24 Stunden weg? (Oder die Insta-Story?)“ Klare Antwort: Nein. Jeder kann Screenshots machen, mit der richtigen Software können Bilder auch aus dem Cache (Speicher) des Smartphones zurückgerufen werden.

Also bereits am Anfang des Seminars der Rat: Passt auf, was ihr online stellt und verschickt!

Zweiter Abschnitt des Abends war “die Faszination Smartphone”. Was fasziniert uns an dem Allzweckgerät? Unter Anderem eben dies: es ist ein Allzweckgerät. Ein einziges Smartphone enthält beispielsweise die Funktionen eines Taschenrechners, eines Fernsehers, einer Kamera, einer Wasserwaage, einer Straßenkarte und noch so einiges mehr.

Zudem habem Smartphone-User eine viel größere Reichweite. Es können neue Kontakte geknüpft und alte gepflegt werden – unabhängig des Aufenthaltsortes. Man kann mit ausländischen Mitmenschen in Kontakt treten, wodurch man sich kulturell bildet. Doch auch Aufmerksamkeit und ständiges erreichbar sein sind Faktoren, die viele Jugendliche und junge Erwachsene an das Smartphone binden. Die größte Bindungskraft hat jedoch die Bestätigung, die man über soziale Medien und Instant-Messenger, wie WhatsApp, erhält. Deshalb kann ein Smartphone auch süchtig machen.

Zusammengefasst sind es die Bereiche:

  • Unabhänigkeit gewinnen
  • Beziehungen pflegen und knüpfen
  • Anonymität und die Möglichkeit seine Identität zu wechseln und vor allem zu finden
  • Grenzen (aus-)testen
  • Stimmungsmanagment
  • Unterhaltung und
  • Arbeitserleichterung

Doch hierbei gibt es natürlich auch Probleme! Die Kommunikation variiert sehr stark aufgrund der Faktoren: eigene Emotionen, Interpretations-Spielraum, in welchem Moment befindet sich der Nutzer und mit wem schreibt er usw.

Des Weiteren haben die Teilnehmer erfahren, dass überprüft werden kann, wieviele WhatsApp Nachrichten jemand verschickt und empfangen hat. Anhand dieser Daten kann errechnet werden, wie viel Zeit jemand auf WhatsApp verbringt und wie lange derjenige durchschnittlich an einer Nachricht schreibt.

Möchtest du es für dich mal überprüfen?

Dann folge den Schritten, die auf dieser Seite beschrieben sind (oben Android, unten iOS).

Außerdem stellten die Teilnehmer einen “Tagesablauf Smartphone” auf, zur Reflexion der eigenen Nutzung. Bginnend mit dem Ausstellen des Weckers morgens, Nachrichten checken, mittags YouTube schauen und abends Musik hören. Es kamen natürlich noch viele andere Dinge hinzu.

Nach zwei weiteren allgemeinen Themen, kam dann das namensgebende Thema “Sucht”.

Die “Mediensucht” lässt sich in drei Unterkategorien einteilen.

  1. Computerspiel-Sucht
  2. Online-Kommunikations-Sucht
  3. Informations-Sammel-Sucht

Behandelt wurden die beiden ersten Kategorien.

Wie viele Jugendliche sind in Deutschland eigentlich süchtig?

Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) aus 2016, waren rund 4,5% der 12-17 Jährigen Jungen und 7,1% der Mädchen wirklich süchtig. Jungen sind eher nach Computerspielen süchtig und Mädchen eher nach Online-Kommunikation (Austausch über Messenger, etc.)

Unterschieden wird zwischen einer exzessiven (zu viel) und einer pathologischen (krankhafte) Nutzung der Smartphones und Computern. Denn eine sehr häufige Nutzung ist nicht gleich eine Sucht. Wenn ein Jugendlicher beispielsweise wenig Hobbies hat, wenig tut, und dann viel am Handy oder PC sitzt, muss es keine Sucht sein. Denn bei einem Reiz von außerhalb, z.B. das Anfangen eines Sports, kann die exzessive Nutzung im Nu aufhören.

Eine wirkliche Sucht ist oft durch familiäre Schwierigkeiten bedingt. Wenn ein Jugendlicher zu wenig Aufmerksamkeit erhält, keine oder wenig Wertschätzung bekommt und/oder keine Freunde hat, ist eine Sucht um einiges wahrscheinlicher. Diese Probleme können auch die Gründe bei anderen Suchten sein.

Deutliche Anzeichen für eine Sucht sind:

  • sehr häufige Nutzung (wenn das Medium immer länger und öfter genutzt wird)
  • Vernachlässigung anderer Pflichten, z.B. Schule oder Hausarbeit
  • Verheimlichung, Verdrängung oder Verschleierung der eigenen Nutzung
  • Entzugserscheinungen

Übrigens: Suchtverhalten verändert das Gehirn und kann dich richtig „depri“ machen!

Nun bist du dran: Teste deine Mediennutzung und finde heraus, ob du süchtig bist, gefährdet bist oder alles im grünen Bereich ist, unter:

www.ins-netz-gehen.de

 
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