Schon vor Monaten hatte sich ein Transgender bei erKant gemeldet und wollte seine (ihre) Geschichte erzählen. Keine Gute, denn das Leben als Mensch im falschen Körper ist schwer! Beim Schülerzeitungskongress in Berlin wurde im Recherchieren-Workshop das Thema wieder aufgenommen.  

Was bedeutet das oft genannte Kürzel “trans”?

Trans ist die Abkürzung von Transgender und wird gleichermaßen für die Begriffe Transidentität (bezieht sich auf Gefühle) und Transsexualität (bezieht sich auf das Körperliche) genutzt. Ein Transgender oder -sexueller ist Jemand, der sich in seinem biologischen Geschlecht unwohl fühlt und emotional eigentlich vom anderen Geschlecht ist – er lebt im falschen Körper! Das heißt, dass die Person sich nicht mit seinem angeborenen Geschlecht identifizieren kann. Es gibt ftm (female to male) und mtf (male to female).

Das klingt kompliziert – und das ist es auch!

Laut der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität leben circa 250.000 Trans-Menschen in Deutschland. Wichtig, weil oft in verwechselt: Ein Transgender ist keine Dragqueen oder Travestit – das sind männliche Kunstdarsteller, die das Aussehen und Verhalten einer Frau show-artig imitieren. Eine der Bekanntesten ist Olivia Jones aus Hamburg gebürtig: Oliver Knöbel. Siehe Video ganz unten.

Wie fühlt sich das Leben im falschen Körper an?

Über Instagram nahmen die Redakteure mit dem 14-jährigen Louis (eigentlich Lisa) Kontakt auf, welcher in einem Interview erzählte, wie es als Transgender so ist.

“Hey, ich bin Louis. Zurzeit 14 Jahre jung und ein biologisches Mädchen. Ich bin transsexuell. Ich bin im Kopf ein Junge, muss aber in dem Körper eines Mädchen leben – in dem falschen Körper! Das klingt für viele absurd und merkwürdig, aber es ist für die Betroffenen die Hölle auf Erden.”

Es begann damit, dass er sich in typisch “mädchenhafter” Kleidung immer weniger wohl fühlte. Irgendwann kaufte er sich selbst ein Binder (zum Brust abbinden), sodass sein Busen kleiner also männlicher wirkte. Aus Selbsthass begann er, sich selbst zu verletzten. Dies bemerkten seine Eltern, welche die Transidentität erst nicht akzeptieren wollten.

“Innerer Schmerz, Selbsthass, es ist einfach alles falsch – so… so fühlt es sich an, im verkehrten Körper zu Leben!”

Es dauerte länger bis die Eltern verstanden und akzeptierten, dass er es ernst meinte und gingen mit ihm zum Psychiater. Doch bis es soweit war, setzen sie ihn (sie) massiv unter Druck und wollten erzwingen, dass er sich wie ein Mädchen verhält. Sie meldeten ihn z.B. extra bei typischen Mädchenkursen an und kauften ihm Mädchenkleider, etc. Louis litt darunter sehr!

Geschlechtsangleichung? Was ist möglich?

Am Anfang sollte die betroffene Person zu einem Psychologen gehen, da dieser eine klare Diagnose geben kann. Viele Eltern glauben nämlich, “es sei nur eine Phase”, die sich wieder geben würde. Der Psychologe kann aber auch das Gegenteil beweisen. Lautet die Diagnose “Transgender” kann über eine Hormontherapie und Operationen geredet werden, die schlussendlich dafür sorgen können, dass der Körper zum anderen Geschlecht gewandelt wird. Für eine Hormontherapie muss die betroffene Person mindestens 14 Jahre alt sein und braucht die Einwilligung der Eltern. Über eine Operation kann erst bei Volljährigkeit alleine entschieden werden.

Die Betroffenen können, nein müssen sogar, erst einmal abwarten und testweise so leben, wie das andere Geschlecht. Ein Junge kann sich zum Beispiel weiblich kleiden, lange Haare tragen und sich wie ein Mädchen schminken. Bevor tatsächlich eine Hormontherapie zwecks Geschlechtsumwandlung begonnen werden kann, muss 3 Jahre lange eine psychologische Beobachtung durchgeführt werden und ein Jugendarzt beteiligt sein.

Interessant für die Betroffenen und Eltern: die Krankenkasse bezahlt alles! Denn: Seit 1987 gilt in Deutschland im Sinne des Sozialrechtes der seelische Leidensdruck durch Transidentität als Krankheit. Heißt: Transidentität ist sowieso keine Krankheit, auch von Gesetzwegen nicht, sondern der seelische Leidendruck ist die Krankheit und der Aspekt, warum Krankenkassen die Behandlungen bezahlen.

Alles was Namensänderungen, etc betrifft regelt übrigens das TSG-Gesetz .

Outing? Wie soll ich das meinen Eltern sagen!? 

Die Jugendlichen, die sich outen wollen, haben meist Angst davor, da es eine große Umstellung sein kann und mit Gemeinheiten und Mobbing gerechnet werden muss. Meist denken sie, dass ihre Eltern sie nicht akzeptieren und fressen alles in sich hinein. Für die Transperson ist es jeden Tag eine Qual, in dem falschen Körper zu leben.

Auch wenn ein Transgender sehr befremdlich auf dich wirken sollte, sag nichts Unüberlegtes oder Verletzendes. Denn das schadet den Betroffenen noch mehr! Durch Kritik können sogar Suizidgedanken entstehen. Der größte Wunsch, den die geoueteten Transgender haben, ist auf Verständnis und Unterstützung zu treffen.

“Es ist schon merkwürdig, wenn dir eine Frau begegnet, die du 15 Jahre lang als männlicher Berater gekannt hast.” erzählte eine Bekannte. “Aber ich komme damit gut klar!”

Wie können Eltern erkennen, das ihr Kind im falschen Körper lebt?

Eltern können Transsexualität ihres Kindes an der Körpersprache sowie dem Verhalten erkennen. Beispielweise spielen Trans*-Kinder meist mehr mit dem Geschlecht, als das sie sich fühlen. Transjugendliche versuchen ihren biologischen Körper so gut es geht zu verstecken, und ihn wie das andere Geschlecht aussehen zu lassen! Dies kann sehr gefährlich sein! Z.B. beim Brustabbinden kann es zu starken Rippenschmerzen und Ähnlichem führen. Darauf sollten die Eltern achten! Die Kinder und Jugendlichen haben oft andere Interessen als ihre Mitmenschen und suchen Kontakt zu Gleichgesinnten und Leuten, die sie verstehen und akzeptieren. Wichtig ist für Transgender, von ihrer Familie akzeptiert zu werden, wie sie sind und Rückendeckung von ihnen zu erhalten.

Hamburg Pride, Martin Stiewe, Quelle: www.hamburg-pride.de/

 


Der Christopher Street Day ist ihr wichtigster Feiertag!

Der Christopher Street Day (CSD) ist ein Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Co.. An diesem Tag wird für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung demonstriert. Die größten Umzüge anlässlich des CSD im deutschsprachigen Raum finden in Köln und Berlin statt.

Die Bezeichnung Christopher Street Day ist nur in Deutschland, Teilen Österreichs und der Schweiz üblich. In englischsprachigen und romanischen Ländern wird meist von Gay Pride und Pride Parades gesprochen. Quelle: Wikipedia.org

Gerichtsurteil 2017 beeinflusst auch den Arbeitsmarkt.

Ende 2017 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Eintragung eines dritten Geschlechts im Geburtenregister möglich sein muss. Damit Arbeitgeber niemanden diskriminieren, sollten sie in Stellenzeigen jetzt alle 3 “Geschlechter” angeben und z.B. einen Journalisten (m/w/d oder /i) suchen. Quelle: Hamburger Abendblatt

Informationen & Hilfen für Betroffene:

Binderkauf: gc2b , amazon

weitere Informationen:

Psychologen in der Nähe: Jugendpsychologie Lübeck, Jugendpsychologie Hamburg

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