Die erKant-Redaktion hat sich mit einem VR-Spezialisten in Kontakt gesetzt, um für euch mehr darüber schreiben zu können. Gustaf Stechmann, Softwareentwickler aus Kiel, berichtete uns in einem schriftlichen Interview von vielen interessanten Fakten. Außerdem haben wir hier ein Video von der Uni Lübeck, wo Medieninformatik studiert werden kann.

Auf dem Bild oben siehst du eine virtuell enstandene Wohnwelt von einem Innenarchitekten.

Herr Stechmann: Wo wird VR eingesetzt? Was sind die Haupteinsatzgebiete im beruflichen Umfeld?

VR wird natürlich bei Computer- bzw Videospielen eingesetzt. Es gibt zum Beispiel eine spezielle VR-Brille, die an die PlayStation angeschlossen werden kann, genannt PSVR. Für dieses System gibt es eine Vielzahl Spiele, wie zum Beispiel das bekannte “Fruit Ninja” und viele weitere. Ein weiterer Einsatzbereich sind VR-Trainings, wobei z.B. Fabrikmitarbeiter geschult werden, wie sie industrielle Maschinen bedienen und reparieren können. Dies üben sie an einer VR-simulierten Version dieser Maschinen.

Außerdem wird VR auch im medizinischen Bereich eingesetzt. Es gibt zum Beispiel APPs, in denen Patienten angeleitet werden, bestimmte Übungen zur körperlichen Fitness oder zur Rehabilitation nach einem Schlaganfall durchzuführen. Außerdem gibt es Anwendungen im Bereich der Psychotherapie – ein Flugangstpatient kann sich in VR z.B. seinen Ängsten stellen, während ein Therapeut ihn dabei begleitet und die Simulation jederzeit anhalten oder verlangsamen kann.

Bestimmt wird es in Zukunft viele weitere Anwendungsmöglichkeiten geben, die wir heute noch nicht kennen, weil sie noch nicht erfunden sind.

Welche Berufe gibt es, bei denen mit VR gearbeitet bzw. VR-Anwendungen entwickeln werden können kann?

Die Berufsbilder sind ähnlich wie im Bereich Computerspiele und der digitalen Medien allgemein.

Gefragt sind zum einen Programmierer, die in der Lage sind dem Computer einzugeben, wie die virtuelle Welt funktioniert, wie die Abläufe sind und wie sich die Umgebung verhält. Ein Programmierer schreibt Programmcode, z. B. in der Programmiersprache C#. Man braucht hierfür ein gutes technisches und mathematisches Verständnis.

Zweitens gibt es das Berufsbild des 3D-Grafikers. Das sind Leute, die visuelle Inhalte für die virtuellen Welten erstellen. Also Räume, Gegenstände, Figuren, die darin vorkommen. 3D-Grafiker arbeiten mit Softwarewerkzeugen wie z. B. 3DS Max, Maya, oder Blender. Für diesen Beruf braucht man ein gutes Auge, ein ästhetisches Empfinden, und muß kreativ sein.

Zudem gibt es den Beruf des 3D-Animators. Ein Animator versetzt die Welt in Bewegung, zum Beispiel die Bewegungsabläufe der Figuren. Ähnlich wie der 3D-Grafiker ist dies auch ein sehr kreativer, gestalterischer Beruf. Die Figuren sollen sich ja natürlich und interessant bewegen, wie z. B. in einem Disney-Film.

Interessant ist auch der Beruf des Sound Designers. Das ist jemand, der dafür sorgt, dass man die Welt nicht nur sehen, sondern auch hören kann. Von Soundeffekten über Jingles bis zur musikalischen Untermalung reicht hier das Tätigkeitsgebiet.

Wichtig ist auch der Beruf des Software-Testers. Das sind Leute, die ein VR-Programm testen und auf Fehler prüfen. Hierfür braucht man sehr viel Präzision und Sorgfalt und muß in der Lage sein, Probleme zu erfassen und genau zu beschreiben, damit sie hinterher systematisch behoben werden können.

Sechstens gibt es das Berufsbild des Story Designers bzw. Autoren – der ist bei VR-Spielen wichtig. Denn jemand muss sich ja eine Geschichte dazu ausdenken, die Dialoge schreiben, damit das Ganze spannend und interessant wird.

Last, but not least werden, wie in allen Branchen, Leute gebraucht, die in der Lage sind das Ganze zu koordinieren und das Team zu managen. Im Umfeld der digitalen Medien heißt dieser Beruf Producer. Das ist jemand, der das Projekt im Detail plant, Ziele setzt und dafür sorgt, dass jeder im Team weiß, was er zu tun hat, damit hinterher alles gut zusammenpasst und termingerecht fertig wird.

Zu erwähnen ist, dass wir im Bereich der digitalen Medien auch eng mit anderen kreativen und technischen Berufen zusammenarbeiten. Zum Beispiel mit Schauspielern, um Sprachaufnahmen einzusprechen.

Muss man für diese Berufsbilder studieren? Wenn ja, was?

Grundsätzlich kann man alle diese Berufe autodidaktisch erlernen, also sich selbst beibringen. Dazu braucht man eigentlich nur einen Computer, ein gutes Buch und eine große Portion Neugierde. Es hilft außerdem, wenn man Freunde hat, mit denen man gemeinsam das Hobby verfolgen und sich austauschen kann. Die meisten Leute, die in diesem Bereich arbeiten, haben es vorher hobbymässig gemacht.

Den Beruf des Programmierers kann man durch ein Informatikstudium, z. B.  an der Universität Kiel, erlernen. Den Beruf des 3D-Grafikers oder 3D-Animators kann man an einigen Kunsthochschulen erlernen, z. B. an der HBK in Hamburg.

Den Beruf des Story Designers kann man z. B.  durch ein Studium der Germanistik teilweise erlernen. Vor allem braucht man dafür aber viel Fantasie und man sollte gerne und oft Bücher lesen. Wenn man ohnehin gern Kurzgeschichten oder Gedichte schreibt, dann ist man dafür gut geeignet.

Den Beruf des Software-Testers kann man nicht wirklich erlernen. Wenn man aber jemand ist, dem Fehler sehr schnell auffallen, dann hat man vielleicht Talent dafür. Die Fachhochschule Kiel bietet ein Studium im Bereich Multimedia Produktion an. Hier beschäftigt man sich sehr intensiv mit VR und auch mit der Herstellung von Videospielen. Es gibt auch Ausbildungsberufe, z. B. den des Mediengestalters, bei denen man auch sehr viel in diese Richtung lernen kann.

Wir fragten Herrn Stechmann auch: “Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus, als VR / AR Entwickler?”

Wir arbeiten in einem kleinen Team in der Starterkitchen in Kiel. Das ist ein Gemeinschaftsbüro, wo viele kleine Unternehmen zusammen an ihren Projekten arbeiten. Viele davon sind Studenten oder gerade mit dem Studium fertig. Dadurch ist es eine sehr lebendige Atmosphäre und man hat viele Leute um sich herum, mit denen man sich austauschen kann.

Unser Team besteht aus einem Programmierer, einem Grafiker, einem Animator und mir selbst, als Producer. Ich schreibe auch die Konzepte für unsere Projekte. Es macht sehr viel Spaß in einem solchen Team zu arbeiten, weil es sehr kreativ ist und man seine eigenen Ideen umsetzen kann.

Wir sitzen meistens nebeneinander am Computer. Wenn der Grafiker ein Grafikelement fertig hat, gibt er es dem Programmierer, damit er dies im Programm einbauen kann. Dann gucken wir uns gemeinsam an, ob es gut aussieht oder ob wir etwas ändern wollen. Zurzeit arbeiten wir gemeinsam an einem VR-Spiel. Wenn es fertig ist, möchten wir es über die Streaming Plattformen vermarkten. Es wird aber noch einige Monate dauern, bis es soweit ist.

Mit VR kann man sehr viel erleben! Sie kann uns helfen oder einfach Spaß machen!

Wer mehr über VR wissen möchte, kann gerne bei unserem anderen Artikel vorbei schauen oder die Website von Gustaf Stechmann ansehen: www.stechmann.com Interessant ist auch die Website: www.vrnerds.de/

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.