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Große Bäume weichen – für die Zukunft des Waldes

Reinfeld. Seit dem 11. August 2025 finden in den Wäldern der Försterei Fohlenkoppel umfangreiche Pflegemaßnahmen statt. Wer Fragen dazu hat, kann am 25. August zum Info-Termin vorbeischauen.

In den kommenden Wochen werden beim Spazieren durch die Reinfelder Wälder das Dröhnen von Motorsägen und das Knacken fallender Bäume zu hören sein – darunter auch große Buchen, Eichen und Eschen. Das klingt für viele zunächst widersprüchlich: Sollen nicht gerade die älteren, starken Bäume geschützt werden?

Förster Maximilian Scheel räumt ein, dass diese Frage viele bewegt. „Damit einzelne Zukunftsbäume alt und stark werden, brauchen sie Platz, Licht und Nährstoffe. Deshalb entnehmen wir gezielt Bäume, die ihre Entwicklung behindern würden. So entsteht ein stabiler Wald, in dem verschiedene Generationen nebeneinander bestehen – vom kleinen Schössling bis zum mächtigen Baumriesen.“

Eschen müssen zusätzlich gefällt werden, weil sie vom Eschentriebsterben betroffen sind – auch bekannt als Eschenwelke. „Diese Krankheit wird durch den Pilz Hymenoscyphus fraxineus verursacht, der aus Ostasien eingeschleppt wurde“, erklärt Scheel.


Wald wie ein Mehrgenerationenhaus

Die Förster vergleichen den Wald gerne mit einem Mehrgenerationenhaus: Verschiedene Altersgruppen leben Tür an Tür und profitieren voneinander. Junge Bäume brauchen Schutz und Licht, ältere Bäume spenden Schatten und bieten Lebensraum für Tiere – und werden irgendwann zu Totholz. „Das Licht und dieses Totholz spielt eine zentrale Rolle für die Biodiversität in den Wäldern, da es die Vielfalt erhöht und wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten schafft“, sagt Scheel. Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, steuern die Förster das Wachstum. „Waldpflege heißt nicht nur ernten, sondern vor allem entwickeln. Wir entscheiden bewusst nach waldbaulichen und naturschutzfachlichen Kriterien, welche Bäume sogenannte Zukunftsbäume werden, und entnehmen entsprechend deren Bedränger.“

Pflege und Nutzung gehören zusammen

Die Maßnahmen dienen nicht nur der Stabilität und Artenvielfalt des Waldes, sondern auch der wirtschaftlichen Grundlage der Landesforsten. „Das dabei gewonnene Holz wird vielfältig weiterverwertet – aus den verkauften Hölzern entstehen hochwertige Furniere, Möbel, Fenster, Türen und Fußböden, Bauholz für den Innen- und Außenbereich, Paletten- und Verpackungshölzer sowie Papier. Ein Teil geringerer Qualitäten wird zudem zu Brennholz verarbeitet und direkt an Kundinnen und Kunden der Försterei Fohlenkoppel verkauft“, erläutert Scheel. Auf diese Weise finanzieren die Landesforsten einen Großteil ihrer Maßnahmen. „Unser Ziel ist, durch naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes dauerhaft sicherzustellen.“

Ablauf der Arbeiten

Die Arbeiten erfolgen in drei Schritten:

  1. Zunächst beginnt ein kleiner Harvester mit den ersten Eingriffen.
  2. Anschließend werden einzelne Bäume manuell gefällt – darunter auch große Buchen, Eichen und Eschen.
  3. Im dritten Schritt bearbeitet ein weiterer Harvester ältere Bestände.

„Alle Maschinen sind mit bodenschonenden Laufwerken, sogenannten Moorbändern, ausgestattet und nutzen ausschließlich dauerhaft bestehende Fahrlinien, die sogenannten Rückegassen. Damit schonen wir empfindliche Waldböden und reduzieren Schäden auf ein Minimum. Auch der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Im Spätsommer sind die Böden meist tragfähiger, weil sie nicht vollständig durchfeuchtet sind“, erklärt Scheel.


Nachhaltige Waldwirtschaft

Dass nicht „zu viel“ Holz entnommen wird, betont der Förster ebenfalls: „Wir fällen nicht mehr Bäume, als langfristig nachwachsen. Das überprüft eine Waldinventur, die alle zehn Jahre durchgeführt wird.“ Zugleich bleibt bewusst eine Menge Holz im Wald: „Totholz und Höhlenbäume sind unverzichtbar für Spechte, Fledermäuse, Insekten und viele weitere Arten. Biodiversität ist ein Kernpunkt unserer Arbeit.“

Es werden vor allem Laubbäume wie Buchen, Eichen und Eschen gefällt. Die Redaktion fragte nach, ob nicht eher Nadelbäume wie Fichten, Kiefern, Tannen oder Lärchen entnommen werden sollten, da diese anfälliger für Schädlinge und Brand gelten. Scheel dazu: „Das kann man nicht pauschal sagen. Viele Nadelbäume sind gut an den Klimawandel je nach Standort angepasst – etwa Douglasie, Küstentanne, Weißtanne oder auch Kiefer. In der Fohlenkoppel liegt der Laubholzanteil jedoch bei rund 94 Prozent, deshalb spielen Nadelbäume hier nur eine geringe Rolle.“

Sicherheit, Sperrungen und Waldrundgang

Während der Arbeiten werden einzelne Waldabschnitte vorübergehend gesperrt. „Das dient dem Schutz aller Besucherinnen und Besucher ebenso wie dem unserer Forstwirte. Die Arbeiten sind anspruchsvoll und bergen Gefahren. Deshalb bitte ich um Verständnis“, erklärt Scheel.

Um die Maßnahmen besser zu verstehen, lädt Scheel zu einem Waldrundgang am 26. August 2025 um 17 Uhr ein.

Treffpunkt ist der Waldparkplatz Bolande (Google Maps-Link). Dort können Interessierte Fragen stellen und sich selbst ein Bild von den Maßnahmen zu machen. Anmeldungen bitte per Mail an maximilian.scheel@forst-sh.de.

Fragen zur naturnahen Bewirtschaftung beantworten außerdem die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Kontakt zum Pressesprecher: ionut.huma@forst-sh.de, Telefon 04321/5592105.


Quelle: Presse-Info, sowie direkter Ausstausch

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